Kassenpatienten finden Gesundheitssystem zu teuer

Während im Moment heiß über die Verwendung der Überschüsse in der gesetzlichen Krankenversicherung diskutiert wird, veröffentlicht das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest eine Studie, die zeigt: Die befragten gesetzlich Versicherten zahlen pro Jahr im Schnitt 380 Euro aus eigener Tasche für Behandlungen, Medikamente, etc.

Hohe Reserven bei den Kassen

Die Reserven der gesetzlichen Krankenkassen und des Gesundheitsfonds betragen mittlerweile zirka 21,8 Milliarden Euro. Allein auf die Krankenkassen entfällt dabei ein Anteil von 12,8 Milliarden Euro. In der Regel dürfen die Krankenkassen nur eine Reserve von 1,5 Monatsausgaben ansammeln. Allerdings haben mehrere Kassen mittlerweile weitaus mehr angehäuft, wobei nur wenige Kassen die Überschüssen etwa in Form von Prämienauszahlungen an ihre Versicherten weitergeben. FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr fordert daher eine Beteiligung der Krankenversicherten an den Überschüssen. Auch die Abschaffung der Praxisgebühr ist im Gespräch.

Frauen investieren mehr in Gesundheit

Trotz der hohen Reserven geben viele Versicherte zusätzlich Geld für Behandlungen, Medikamente und Physiotherapie aus. Die Befragung durch TNS Infratest ergab durchschnittliche Ausgaben von 440 Euro pro Jahr bei den Frauen, Männer geben dagegen im Schnitt 300 Euro für zusätzliche Leistungen aus. Allerdings werden nicht alle Behandlungen auch wahrgenommen. Etwa jeder Dritte gab an, aufgrund der zusätzlichen Ausgaben bereits auf Behandlungen oder Untersuchungen, sowie Vorsorgemaßnahmen verzichtet oder aber den Termin hinausgezögert zu haben. Insbesondere Menschen, die nur über ein geringes Einkommen verfügen verzichten lieber auf Leistungen. Achtzig Prozent der Befragten sind der Meinung, dass das deutsche Gesundheitssystem zu teuer ist. Hier wurden insgesamt 1100 Kassen- und 167 Privatpatienten befragt.

Viele Versicherte wollen höhere Rücklagen

Dennoch wollen längst nicht alle Befragten eine Beitragsrückerstattung. Wie Spiegel Online berichtet wollte laut einer vom Bundesverband der Betriebskrankenkassen in Auftrag gegebenen Studie nur jeder fünfte Befragte Prämien ausgezahlt bekommen. Vielmehr soll das Geld weiterhin zurückgelegt werden. Auch viele Experten sind dieser Meinung, da die Krankenkassen langfristig erhöhte Ausgaben und geringere Einnahmen zu verzeichnen haben werden.

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