Kabinett berät heute über Einführung eines Krebsregisters

Ungefähr jeder vierte Todesfall in Deutschland war 2008 durch Krebs bedingt. Die gesetzliche Einführung eines Krebsregisters, sowie eine Ausweitung der Screenings zur Früherkennung auf Darmkrebs und auf Gebärmutterhalskrebs sollen durch eine bessere Prophylaxe diese Zahl senken.

Laut Schätzungen der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (www.gekid.de) und des Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut (www.rki.de) erkrankten im Jahr 2008 ca. 469.800 Menschen in Deutschland neu an Krebs. Das sind etwa 43.000 Patienten mehr als noch 2006. Für das Jahr 2012 erwartet man etwa 486.000 neue Krebserkrankungen. Noch im Februar dieses Jahres ergab eine EU-weite Statistik, dass allein in Deutschland die höchste Brustkrebs-Todesrate ermittelt wurde. Ungefähr 16,5 Frauen von 100.000 sind betroffen, der EU- Durchschnitt dahingegen liegt bei 14,9 von 100.000. Zahlen die ein Umdenken notwendig machen.

Die Pläne des Gesundheitsministeriums

Unter dieser Prämisse hat Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) vor der Kabinettsentscheidung am heutigen Mittwoch sein Gesetz zur Einführung eines klinischen Krebsregisters als „richtungsweisend“ bezeichnet. „Mit den vorgelegten Regelungen werden richtungsweisende strukturelle Maßnahmen zur Verbesserung der Krebsfrüherkennung und der Qualität in der onkologischen Versorgung auf den Weg gebracht“, sagte Bahr dabei gegenüber der „Rheinischen Post“.

Datenregister und häufigere Screenings als Basis

Neben der Einführung eines Krebsregisters, in dem die in den einzelnen Ländern erhobenen Daten von Tumorpatienten vergleichbar erfasst werden sollen, sieht das Gesetz eine Ausweitung der Screenings zur Früherkennung auf Darmkrebs und auf Gebärmutterhalskrebs vor – entsprechende Maßnahmen gab es bisher nur zur Brustkrebsvorsorge. Zusätzlich sieht der Entwurf die Abschaffung der heute geltenden starren Altersgrenzen für die Krebsfrüherkennung vor. Die Schritte seien notwendig, da laut Bahr „Deutschland wie vergleichbare Industrienationen angesichts des demographischen Wandels vor wachsenden Herausforderungen in der Krebsbekämpfung“ stehe. So ist medizinisch nachgewiesen, dass beinahe alle Krebsarten bei älteren Menschen sehr viel häufiger auftreten als bei Jüngeren (hierbei sprechen Experten im Messvorgang von altersstandardisierter Krebssterblichkeit) – ein Umstand, der die effektive Früherkennung solcher Erkrankungen noch akuter gestaltet. Früherkennung und Behandlung haben jedoch dazu beigetragen, dass die Krebssterblichkeit seit Jahrzehnten zurückgeht.

Kostenpunkte und Kritik

Auf die Krankenversicherungen kämen, gemäß dem Referentenentwurf, Mehrkosten in Höhe von geschätzten 80 bis 120 Millionen Euro jährlich zu. Noch letzten Monat äußerte sich demgegenüber die Vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes Doris Pfeiffer kritisch. Sie verwehrte sich dagegen, dass die Kassen die Krebsregister pauschal finanzieren sollen: „Wenn ganz offenbar versicherungsfremde Leistungen wie Versorgungsforschung, die Zertifizierung von wissenschaftlichen Einrichtungen oder die Ressourcenplanung der Länder mit diesen Daten gefördert werden sollen, darf das nicht allein die Beitragszahler belasten.“ – so äußerte sich Frau Pfeiffer gegenüber der Zeitung “Die Welt“ Die Einrichtung der Krebsregister sollen nach der aktuellen Planung die Länder finanzieren, diese hatten jedoch gemäß der Onlineausgabe der “Rhein-Zeitung“ bereits Ende Juli angekündigt, die Pläne zum Register finanziell nicht zu unterstützen, die Betriebskosten dahingegen sollen die gesetzlichen Kassen und die privaten Krankenversicherungen übernehmen.

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