Jeder dritte Patient unzufrieden mit Sprechzeiten seines Arztes

Rund 30 Prozent aller Patienten finden, dass sich ihr Arzt nicht genügend Zeit für ihre Behandlung nimmt. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Marktforschungsgesellschaft GfK hervor. Demnach verbringen viele Patienten wesentlich mehr Zeit im Wartezimmer als im Behandlungsraum. Die Ursache für die kurzen Sprechzeiten sehen Experten im Vergütungssystem der Ärzte.

Patienten beklagen zu kurze Sprechzeiten

Wie die „Welt am Sonntag“ berichtet, sind ein Drittel aller gesetzlich Krankenversicherten unzufrieden mit der Betreuung ihres Arztes. Die Kritik lautet, dass sich der Mediziner zu wenig Zeit für seine Patienten nimmt. Hauptsächlich haben dabei mehr Frauen als Männer sowie ältere und alleinstehende Menschen das Gefühl, dass ihnen ihr Arzt zu wenig Zeit widmet. Die Dauer der letzten Sprechstunde schätzen die Deutschen auf durchschnittlich elf Minuten. Fünf Prozent der Befragten gaben jedoch an, dass ihr letzter Besuch beim Arzt weniger als fünf Minuten gedauert hat. Die Wartezeiten sind hingegen deutlich länger: Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2011 des BKK-Bundesverbandes verbringen Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung durchschnittlich rund 27 Minuten im Wartezimmer ihres Arztes.

Ursache im Vergütungssystem der Ärzte zu finden

Der Gesundheitsökonom Peter Oberender führt die kurzen Behandlungszeiten auf das Vergütungssystem zurück, das falsche Anreize für die Ärzte schafft. Durch die pauschalisierte Vergütung halten die Mediziner den Gesprächsanteil eher kurz, um stattdessen medizinische Geräte oder andere Behandlungsmethoden anzuwenden, die bei den Krankenkassen gesondert abgerechnet werden können.

Behandlung vieler Patienten in kurzer Zeit

Auch der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, Ferdinand Gerlach, ist der Meinung, dass die Ärzte durch Fehler im System dazu gezwungen sind, möglichst viele Patienten zu behandeln, um Umsatz und Gewinn zu machen. Damit jeder Patient wieder länger von seinem Arzt behandelt werden kann, fordert Gerlach eine Änderung des Vergütungssystems. Dabei müsse der Einsatz des Arztes für die Gesundheit des Patienten belohnt werden. Einer der Schwerpunkte müsse dabei auf Früherkennung und Prävention liegen.

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