Immer weniger Menschen wechseln in die private Krankenversicherung

Im Jahr 2012 sind deutlich weniger Kassenpatienten in die private Krankenversicherung gewechselt. So hat sich die Zahl der Wechsler in den letzten zehn Jahren mehr als halbiert – von 360.000 auf 160.000. Vor allem die teils hohen Beitragssteigerungen in den letzten Jahren verunsichern viele Wechselwillige.

Zahl der Wechsel von gesetzlicher zur privaten Krankenversicherung rückläufig

Die private Krankenversicherung bietet mehr Leistungen als die gesetzlichen Krankenkassen. Gerade für Gutverdiener ist die private Versicherung zudem häufig sehr viel günstiger. Und trotzdem geht die Zahl der Wechsler von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung steigt zurück. So wechselten im Jahr 2009 noch 28.480 Versicherte der Barmer GEK in eine private Krankenversicherung. Im Jahr 2013 waren es gerade einmal 11.116. Im März werden die Zahlen aller Krankenkassen zu den PKV-Wechslern erwartet. Doch der Trend ist eindeutig.

Beitragssteigerung verunsichern Verbraucher

Vor allem viele Negativschlagzeilen in den letzten Jahren dürften der Grund für die nachlassende Wechselfreudigkeit sein. So wurde immer wieder von erheblichen Beitragssteigerungen bei der PKV berichtet. Tatsächlich haben einige Versicherer in bestimmten Tarifen über die Maßen die Beiträge erhöht. Vor allem sogenannte Einsteigertarife waren davon betroffen. Dies wurde besonders billig angeboten, hatten allerdings auch nur einen geringen Leistungsumfang. Die Hoffnung der Versicherer: Die Versicherungsnehmer würden bald in die teureren, leistungsstarken Tarife wechseln. Diese Rechnung ist allerdings nicht aufgegangen – aus diesem Grund waren starke Beitragserhöhungen unumgänglich.

Wechselwillige wollten Ausgang der Wahl abwarten

Ein weiterer Grund für die niedrigen Wechselzahlen im letzten Jahr könnte auch die Debatte um die mögliche Einführung einer solidarischen Bürgerversicherung sein. Im Zuge des Bundestagswahlkampfs haben SPD, Grüne und Linke für die Abschaffung der privaten Krankenversicherung in ihrer jetzigen Form geworben. Viele Wechselwillige wollten daher nicht in die private Krankenversicherung (PKV) eintreten aus Angst, das aktuelle Krankenversicherungssystem könne ohnehin bald umgestellt werden. Nun da die Diskussion um die Bürgerversicherung vorerst vom Tisch ist, könnten genau diese Wechselwilligen in die PKV eintreten.

 

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