IGeL: Preisunterschiede bei fraglichen Leistungen

Es gibt bestimmte medizinische Leistungen, an denen scheiden sich die Geister. Ob naturheilkundlichen Verfahren oder bestimmte Vorsorgeuntersuchungen, nicht immer ist ein echter Nutzen erkennbar, bzw. fehlen ausreichende wissenschaftliche Studien um die Wirksamkeit zu belegen. Auch bei den sogenannten IGeL-Leistungen sind einige Heilmethoden und Untersuchungen umstritten.

Ärzte-Empfehlung nicht immer medizinisch begründet

Die individuellen Gesundheitsleistungen (kurz IGeL) werden von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht erstattet. Vielmehr müssen Versicherte selbst dafür aufkommen, wenn sie sich entscheiden, sie in Anspruch zu nehmen. Vielen Menschen ist dabei jedoch nicht klar, ob die jeweilige Leistung wirklich positiv einzuschätzen ist. Sie verlassen sich dabei auf die Empfehlungen des behandelnden Arztes. Allerdings besteht hier immer die Möglichkeit, dass der Arzt eher aus wirtschaftlichen denn aus medizinischen Gründen argumentiert. Denn über die IGeL-Leistungen lässt sich mitunter zusätzliches Einkommen erwirtschaften.

Patienten sollen sich bei der Entscheidung Zeit lassen

Dabei kommt es auch immer wieder vor, dass die Patienten in der Praxis überrumpelt werden. So ist es noch schwerer eine Entscheidung zu treffen, bzw. sich über die jeweilige Leistung genauer zu informieren. Aus diesem Grund fordern Krankenkassenvertreter wie Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, eine vorgeschriebene Bedenkzeit von mindestens 24 Stunden zwischen der Empfehlung und der Durchführung der jeweiligen Leistung. Es könnte so vermieden werden, dass Patienten sich unter Druck gesetzt fühlen.

Portal informiert

Auf dem neuen Informationsportal www.igel-monitor.de, das vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. ins Leben gerufen wurde, haben Patienten nun die Möglichkeit sich zu einer Reihe von IGeL-Leistungen zu informieren. Dabei werden die Leistungen anhand von Studien und Übersichtsarbeiten, möglichen Nebenwirkungen und Wirksamkeit, eingeschätzt. Die Kategorien reichen von positiv und tendenziell positiv über unklar bis zu tendenziell negativ und negativ. Unter den bisher 24 bewerteten Therapien und Untersuchungen wurden immerhin 11 mit tendenziell negativ bewertet, nur drei erhielten eine tendenziell positive Bewertung. Angesichts von derzeit zirka 360 verschiedenen IGeL-Leistungen, die angeboten werden, ist diese Zahl beunruhigend. Hinzu kommt, dass für die teils fragwürdigen Leistungen nicht selten hohe Kosten für den Patienten anfallen. Daher bietet das neue Portal nicht nur Informationen zu den Leistungen, sondern ermöglicht auch Kommentare bzw. Erfahrungsberichte, etwa zu den verlangten Preisen für einzelne Leistungen. Mehr zu diesem Thema auch hier.

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