IGeL-Leistung auf dem Prüfstand: Neues Portal gibt Auskunft

Insbesondere gesetzlich versicherte Menschen beklagen sich häufig darüber, dass ihre Krankenversicherung nicht alle Leistungen bezahlt. Dazu gehören vorrangig Vorsorgeuntersuchungen und Therapien. Ein Internet-Portal bietet Verbrauchern nun eine Einschätzung der IGeL-Leistungen („Individuelle Gesundheitsleistungen“) .

IGeL-Leistungen sind nicht immer sinnvoll

Individuelle Gesundheitsleistungen sind die Therapien und Untersuchungen, die von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht ohne weiteres gezahlt werden. Wer sie dennoch in Anspruch nehmen möchte, muss dafür selbst bezahlen. GKV-Vertreter geben hierbei zu bedenken, dass nicht alle IGeL-Leistungen sinnvoll sind. Man müsse auch immer bedenken, dass es wirtschaftliche Interessen von Seiten der behandelnden Mediziner gibt und dies ein Grund für eine Empfehlung sein kann. So sollten Patienten sich auf keinen Fall mit einer angebotenen Leistung überrumpeln lassen. Es ist völlig legitim, sich Bedenkzeit auszubitten und auf eine ausführliche Erklärung sowohl zu Nutzen aber auch zu möglichen Nebenwirkungen der Leistung zu bestehen.
Auf keinen Fall dürfte der Eindruck entstehen, dass Patienten für eine medizinisch unbedingt notwendige Leistung zahlen müssten. In solch einem Fall zahlt in der Regel die Krankenversicherung, wenn etwa der Verdacht auf eine Krankheit besteht und eine Untersuchung nötig wird. Zudem sind längst nicht für alle IGeL-Leistungen eine entsprechende Wirksamkeit belegt. Dazu gehört auch die Bachblüten-Therapie. Diese konnte bisher in Studien keine verbesserte Wirkung gegenüber Scheinpräparaten vorweisen.

Portal für Patienten

Das neue Internet-Portal www.igel-monitor.de wurde vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. in Auftrag gegeben und gibt Patienten die Möglichkeit sich über eine Reihe von IGeL-Leistungen umfassend zu informieren. Bisher werden 24 häufige Leistungen erklärt, weitere sollen folgen. Dabei gibt das Portal eine Einschätzung zu der jeweiligen IGeL-Leistung. Eine ausführliche Erklärung gibt zudem Aufschluss darüber, wie diese Einschätzung zustande gekommen ist.

Beispiel Toxoplasmose-Test

So wird beispielsweise die Toxoplasmose-Untersuchung bei Schwangeren erklärt. Diese Untersuchung wird häufig angeboten, da eine Toxoplasmose-Infektion während der Schwangerschaft das ungebore Kind schädigen kann. Jedoch kommt das Portal zur der Ansicht, dass diese Leistung als negativ zu bewerten ist. Dies wird begründet mit der mangelnden Treffsicherheit des Tests, dem Fehlen von aussagekräftigen Übersichtsarbeiten zum Nutzen und der Verunsicherung der Frauen, die bei einem fehlerhaften Test ein falsches Positiv-Ergebnis erhalten.
Langfristig soll das Portal Patienten die Entscheidung erleichtern, ob eine IGeL-Leistung wirklich durchgeführt werden soll. Bisher ist meist der behandelnde Arzt der einzige Ansprechpartner und da dieser an den IGeL-Leistungen verdient, kann nicht immer davon ausgegangen werden, dass diese Einschätzung vollkommen neutral ist.

Hier gibt es weitere Informationen zum IGeL Portal.

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