Hauptstadtkongress: So sieht die Zukunft der PKV aus

Die private Krankenversicherung (PKV) wird eine Reform erleben und im Jahr 2020 kaum noch wiederzuerkennen sein. Davon gehen Experten aus, die sich am 13. Juni 2012 auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in einer Diskussion zum Thema „Krankenversicherung 2020 – wie sind wir künftig versichert?“ austauschten.

Drei Trends in der Krankenversicherung

In den kommenden Jahren wird das Krankenversicherungssystem in Deutschland von drei Trends geprägt sein, leitete Professor J.-Matthias Graf von der Schulenburg, Direktor am Institut für Versicherungsbetriebslehre und Leiter der Forschungsstelle für Gesundheitsökonomie der Leibniz Universität Hannover die Diskussion über die Zukunft von privater und gesetzlicher Krankenversicherung ein. Zum einen, so von der Schulenburg, würde es künftig mehr Wettbewerb unter den Anbietern geben, so dass Versicherte freier zwischen unterschiedlichen Angeboten wählen können als bisher. Zudem erwartet er eine Konvergenz der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung, da die GKV Elemente der PKV und andersherum auch die PKV Elemente der GKV übernehmen wird. Zum Dritten wird es in der Zukunft mehr Eigenvorsorge und damit eine schärfere Überprüfung des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung geben, prognostizierte er.

Keine plötzliche Bürgerversicherung

Mit der spontanen Einführung der Bürgerversicherung, wie sie von den Oppositionsparteien gefordert wird, rechnen die Experten nicht. Vielmehr erwarten die meisten, dass die aktuell noch strikt zu trennenden Krankenversicherungssysteme sich nach und nach aneinander angleichen werden. Auf dem Hauptstadtkongress herrschte Konsens darüber, dass die Unterschiede zwischen GKV und PKV schon jetzt kleiner werden, dass beide Systeme aber auch aufeinander angewiesen seien. „Der Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung wäre schon längst geschreddert, wenn es die PKV als Benchmark nicht gäbe“, sagte dazu PKV-Verbandsdirektor Dr. Volker Leienbach.

Reform mit Hilfe des Gesetzgebers

Die Diskussionsteilnehmer auf dem Hauptstadtkongress waren einig darüber, dass beide Krankenversicherungssysteme heute mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben: Sowohl in der GKV als auch in der PKV gibt es eine steigende Zahl älterer Versicherter, die mehr Leistungen benötigen als früher. Zudem haben beide Versicherungssysteme mit den steigenden Kosten für den medizinisch-technischen Fortschritt zu kämpfen. Dass Reformbedarf herrscht, sei deutlich erkennbar. „Die PKV muss sich in einzelnen Punkten reformieren. Das wird gelegentlich nur mit Unterstützung des Gesetzgebers gehen“, kommentierte Leienbach.

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