Grippeimpfung 2012: Trotz Rückruf gibt es genug Impfstoff

Trotz des Rückrufs zweier Grippeimpfstoffe von Novartis müssen sich die Deutschen keine Sorgen um ihre Grippeimpfung machen. Das zumindest meint Gesundheitsminister Daniel Bahr. Seine Argumentation: Wer sich letztes Jahr gegen Grippe hat impfen lassen, wird auch 2012 die Schutzimpfung bekommen können. Dennoch herrscht Beunruhigung und Verärgerung in der Bevölkerung, was nicht zuletzt an den Exklusivverträgen der Krankenkassen mit den Impfstoffherstellern liegt.

Zahl der Grippeimpfstoffdosen auf annähernd gleichem Niveau wie 2011

Zugegeben, was der Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr zu sagen hat, beruhigt ein wenig. Nachdem letzte Woche bekannt wurde, dass es in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg und Bayern zu Engpässen bei der Lieferung des Grippeimpfstoffs kommt und zudem rund 750.000 Dosen der Begripal und Fluad Impfstoffe der Firma Novartis aus dem Verkehr genommen werden mussten, machte sich einige Beunruhigung in Deutschland breit. Mitten in der Grippesaison, so die Befürchtung, gäbe es nicht genügend Dosen, um sich gegen die Grippe impfen zu lassen. Doch Bahr will besänftigen und weist darauf hin, dass letztes Jahr 15 Millionen Impfstoffdosen für Grippeschutzimpfungen verbraucht wurden. Seiner Aussage nach stehen 2012 bereits 14 Millionen Dosen zur Verfügung, sodass sich jeder mit einer Impfung gegen Grippe schützen kann, der dies auch letztes Jahr getan hat.

Grippeimpfstoff-Engpass durch Exklusivverträge

Doch soweit hätte es gar nicht kommen brauchen. Denn erst durch die Exklusivverträge der Krankenkassen mit bestimmten Grippeimpfstoff-Herstellern gibt es nun die Diskussion, dass gerade in der Grippesaison nicht genügend Impfstoff vorhanden ist. Durch diese Verträge sind Hausärzte an einen bestimmten Impfstoff gebunden, andernfalls übernimmt die Krankenversicherung die Kosten der Grippeimpfung nicht. Wenn es wie im Fall von Novartis zu Lieferschwierigkeiten kommt und diese laut Spiegel Online erst spät den Krankenkassen mitgeteilt werden, gibt es kaum noch Optionen, andere Hersteller um Ersatz zu bitten. Denn bis der Impfstoff auslieferbar ist, brauchen die Firmen zwei bis drei Monate. Bis dahin könnte die Grippewelle schon über Deutschland gerollt sein.

Kritik der Pharmaindustrie

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie kritisiert die Krankenkasse aufgrund ihrer Vorgehensweise. Der Versuch, durch Ausschreibungen den günstigsten Grippeimpfstoff-Hersteller zu finden, gehe zu Lasten der Versicherten, sagte der Hauptgeschäftsführer Henning Fahrenkamp. Daher sei die Schuld für die geringe Verfügbarkeit der Grippe-Impfstoffe in manchen Bundesländern nicht nur Pharmaunternehmen zuzuschreiben, sondern insbesondere den Kassen. Impfstoffe seien nicht für Ausschreibungen geeignet, da Firmen, die nicht davon profitieren, ihre Produktion drosseln. So können kurzfristige Engpässe nicht ausgeglichen werden.

Rücknahme der Novartis-Grippeimpfstoffe ausgeglichen

Die Rücknahme der Novartis-Impfstoffe wurde indes vom PEI aufgefangen. Das Institut gab Impfdosen anderer Hersteller frei. Es handelt sich um insgesamt 620.000 Dosen von GlaxoSmithKline und Abbott. Um zur Beruhigung der Deutschen – auch für die kommenden Jahre – mehr beizutragen, könnte sich Gesundheitsminister Bahr derweil dafür einsetzen, dass es Exklusivverträge für Grippeimpfstoffe in Zukunft nicht mehr geben darf.

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