GKV: Zusatzbeitrag schwebt weiter über Krankenkassen

Das kommende Jahr könnte für viele Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung, die derzeit noch den Zusatzbeitrag zahlen, etwas Entspannung versprechen. Schließlich will man im kommenden Jahr den zusätzlichen Obulus bei allen betroffenen Krankenkassen streichen. Allerdings bleibt er weiterhin Thema. Denn Experten fürchten, dass bereits 2013 die Probleme in der GKV so deutlich wachsen, dass der Zusatzbeitrag wieder bei einigen Marktteilnehmern eingeführt wird.

Kassen sehen nur temporäre Entspannung

[Berlin] Hintergrund der Befürchtungen sind die immer wieder kritisierten Kostensteigerungen im Gesundheitswesen, was die Ausgabenseite der Krankenversicherung stetig wachsen lässt.

Daran ändert auch ein Überschuss nichts, den viele Krankenkassen in den vergangenen Monaten haben erwirtschaften können. Im Gegenteil: Glaubt man den Äußerungen einiger Branchenkenner, reichen die Rücklagen nur wenige Tage.

Wie sieht sich die Branche aber selbst? Christoph Straub, Chef der Barmer GEK, vermutet, dass sich die deutschen Krankenkassen nur in einem „Zwischenhoch“ befinden. Eine ganz ähnliche Sichtweise vertreten auch andere Krankenkassen. Neben der „medizinischen Inflation“ verdüstern sich die Zukunftsaussichten aber auch aus einem anderen Grund – der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung. Denn die derzeit so gute Finanzlage hängt am Tropf der Konjunktur. 2011 hat die deutsche Wirtschaft ihr Wachstumspotenzial ausgespielt, für 2012 sehen die Prognosen aber anders aus.

Zusatzbeitrag im Wahlkampf

Über die Zukunft des Zusatzbeitrags wird aber auch die Bundestagswahl im kommenden Jahr unterscheiden. Die SPD und die Grünen favorisieren ein Modell für die GKV, was ohne Zusatzbeitrag auskommt, die PKV aber droht zu beschneiden. Wie es mit dem zusätzlichen Obulus in den nächsten Jahren weitergehen wird, hängt auch von der Wählerentscheidung ab. In einem Punkt sind sich Experten aber einig – der Zusatzbeitrag hat sein eigentliches Ziel nicht erreicht.

So kritisiert Maximilian Gaßner vom Bundesversicherungsamt den Beitrag deutlich. In dessen Augen fehlt dem Zusatzbeitrag eine objektive Steuerungsfunktion im Wettbewerb der Krankenkassen, er ist ein echter Wettbewerbsnachteil, da sich dessen subjektive Wahrnehmung durch den Versicherten in den Augen des BVA potenziert.

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