GKV: Wird Behandlung psychischer Erkrankungen zum Problem?

Aufgrund einer Regelung aus den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstehen in Deutschland möglicherweise Engpässe bei der Versorgung von psychisch Erkrankten. Da in den vergangenen knapp 20 Jahren die Zahl der diagnostizierten psychischen Erkrankungen erheblich gestiegen ist, müssen zeitgemäße Anpassungen vorgenommen werden. Durch eine Änderung im Versorgungsgesetz droht jetzt eine Unterversorgung und Psychotherapeuten fürchten um ihre Praxen.

Lange Wartezeiten bei Psychotherapeuten

Bereits jetzt müssen Patienten lange auf einen Termin beim Therapeuten warten.

Im Durchschnitt sind es drei Monate, bis ein erstes Treffen mit dem Therapeuten stattfindet. Es gehen dann noch einmal drei Monate ins Land, bis die Therapie beginnen kann. Diese Werte werden sowohl von den Krankenkassen als auch von der Bundespsychotherapeutenkammer genannt. Die Wartezeiten unterliegen jedoch großen regionalen Unterschieden. Muss ein Patient in Berlin „lediglich“ acht Wochen auf einen Termin warten, sind es in Mecklenburg-Vorpommern 18 Wochen, bis zum Erstgespräch.

Aufgrund einer Regelung aus den neunziger Jahren ist Deutschland, zumindest auf dem Papier, mit Psychotherapeuten überversorgt. In den vergangenen 20 Jahren sind laut einer aktuellen Ergebnissen die Kosten für psychische Behandlungen in Deutschland von 19,1 Milliarden auf 28,7 Milliarden Euro gestiegen. Die Zahl der Krankschreibungen, pro Jahr und 100 Versicherten, stieg seit 1976 von 46 Tagen auf heute 150. Eine Untersuchung der Barmer GEK hat ergeben, dass 31 Prozent der Versicherten im Jahr 2009 die Diagnose „Psychische- oder Verhaltensstörung“ erhalten haben.

Psychotherapeuten befürchten Unterversorgung

Aus den Zahlen lässt sich eindeutig erkennen, dass die Zahlen aus den neunziger Jahren nicht mehr aktuell sind und im Gegenteil mehr Therapeuten benötigt werden als vorhanden sind. Durch die Änderung im Versorgungsgesetz ist die Kassenärztliche Vereinigung dazu bemächtigt, Arztpraxen aufzukaufen sollte der Arzt ausscheiden, darunter zählen auch Praxen von Psychotherapeuten, diese fürchten um 6.000 Standorte.

Der Präsident der Psychotherapeutenkammer, Rainer Richter, erklärte dazu: „Wir brauchen dringend eine Regelung im Versorgungsgesetz, damit es bei den psychotherapeutischen Praxen nicht zu einem Abbau kommt.“Die Regierungskoalition hat das Problem jedoch erkannt und will versuchen, im Versorgungsgesetz Anpassungen vorzunehmen.

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