GKV: Vermehrt Zusatzbeiträge ab 2013?

Ein immer größer werdendes Minus in den gesetzlichen Krankenversicherungen könnte in den kommenden Jahren zu einer steigenden Anzahl von Zusatzbeiträgen führen. Dieser Meinung ist zumindest der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem. Auch wenn viele Kassen im Jahr 2012 noch auf einen Zusatzbeitrag verzichten, könnten 2013 viele neue Zusatzbeiträge auf die Versicherten zukommen.

Rücklagen reichen noch für 2012

Der Wissenschaftler Jürgen Wasem erklärte gegenüber der Saarbrücker Zeitung, dass die Rücklagen der Krankenkassen noch soweit ausreichen, um auf einen Zusatzbeitrag für das Jahr 2012 verzichten können.

Diese werden jedoch für das Jahr 2013 aufgebraucht sein. Dies ist aber nicht das einzige Problem, welches die Versicherer vor finanzielle Probleme stellen wird. Unterm Strich wird laut Wasem ein Minus von rund vier Prozent stehen. Denn die Ausgaben werden weiter steigen – stagnierenden Einnahmen.

Gingen einige Experten lange davon aus, dass bereits für das Jahr 2012 in vielen Kassen Zusatzbeiträge erhoben werden, so zeigt sich doch eine, möglicherweise nur vorübergehende, Besserung der Finanzsituation im Gesundheitswesen. Die Kassen konnten ihre Einnahmen von 950 Millionen auf 2,4 Milliarden steigern, was besonders den gravierenden Sparmaßnahmen der Regierung zu Danken ist. Die Erhöhung der Rabatte bei Arzneimitteln und viele Fusionen haben dafür gesorgt, dass die Ausgaben gesunken und gleichzeitig die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds gestiegen sind.

2012 viel Kassen ohne Zusatzbeitrag

Durch die Fusionen und Rabatte konnte die Zahl der Kassen, die einen Zusatzbeitrag erheben deutlich gesenkt werden. Waren es 2010 noch 16 Kassen, die um einen Zusatzbeitrag nicht herumgekommen sind, ist die Zahl es zum jetzigen Zeitpunkt auf 11 gesunken. Auch für das Jahr 2012 sehen die Zahlen momentan positiv aus. So haben bereits jetzt 56 Versicherer bekanntgeben, auf einen Zusatzbeitrag verzichten zu können.

Durch die derzeitige Entwicklung musste auch Jürgen Wasem seine Meinung aus dem Vorjahr revidieren. Im August 2010 hatte er auf einer Tagung noch prognostiziert, dass der Gesundheitsfonds bereits 2012 ein Minus von 5,7 Milliarden Euro erwirtschaften würde. Bis 2020 sollte die Zahl auf 45 Milliarden ansteigen. Wasem ist aber weiterhin der Meinung, dass die aktuelle Entwicklung nur eine kurzfristige Besserung bringt.

 

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