GKV-Spitzenverband: Geschäftsmodell der PKV auf Dauer nicht tragfähig

Die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Dr. Doris Pfeiffer, sieht keine Zukunft für die private Krankenversicherung. In einem Interview mit dem Nachrichtenportal RP Online vermutet Pfeiffer, das Geschäft der PKV würde schon bald von selbst auslaufen.

Nachdem der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU) in der vergangenen Woche eine heftige Diskussion über die Zukunft der PKV entfacht hatte, äußerte sich nun auch die Chefin des GKV-Spitzenverbandes zu dem Thema und griff die PKV in diesem Zusammenhang scharf an. In einem Interview sagte sie, offenkundig habe das System der privaten Krankenversicherung ein Existenzproblem. Weil die privaten Versicherer seit mehreren Jahren mit den zunehmenden Kosten für die Gesundheitsversorgung ihrer Kunden kämpfen würden und anders als die GKV keine Instrumente zur Verfügung hätten, um die stetigen Ausgabensteigerungen auf Dauer in den Griff zu bekommen, zeigte sich Pfeiffer überzeugt, dass das Geschäftsmodell der Privaten künftig nicht mehr tragfähig sei.

Weniger PKV-Anbieter am Markt?

Nach Pfeiffers Einschätzung wird sich das Geschäftsmodell der PKV in der Zukunft ohne eine Einflussnahme der Politik von selbst auflösen. Die privaten Versicherungsgesellschaften würden sich mehr und mehr aus dem Krankenversicherungsgeschäft zurückziehen, vermutet sie. Dies zeigt sich ihrer Ansicht nach schon jetzt darin, dass einige PKV-Anbieter bereits überlegen, sich zukünftig nicht mehr auf das Vollversicherungsgeschäft zu konzentrieren.

PKV-Verband: Keine finanziellen Probleme in der PKV

Bereits in der letzten Woche hatte der Geschäftsführer des PKV-Verbandes, Dr. Volker Leienbach, Behauptungen zurückgewiesen, die private Krankenversicherung hätte mit einer zunehmend schlechteren Finanzlage zu kämpfen. Laut Leienbach ist die PKV sogar besser als die GKV auf die demographische Entwicklung und den in diesem Zusammenhang stetig steigenden Kosten für die medizinische Versorgung der Gesellschaft vorbereitet. Derzeit könne die PKV laut Leienbach einen Kapitalstock von fast 170 Milliarden Euro vorweisen.

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