GKV: Krankenkassen im Überlebenskampf

Dass die gesetzlichen Krankenkassen vor finanziellen Schwierigkeiten stehen, ist nicht erst seit der Pleite der City-BKK bekannt. Durch Fusionen und Pleiten ist die Zahl der gesetzlichen Versicherungen seit Mitte der neunziger Jahre von über 1.000 auf 108 geschrumpft und ein Stop dieses Trends ist nicht zu erkennen. Denn weitere Fusionen stehen kurz vor dem Abschluss oder sind bereits beschlossene Sache.

Engpässe durch Gesundheitsfonds

Auch wenn die Pleite der City-BKK das alle überschattende Thema diesen Sommer, in Zusammenhang mit der GKV, gewesen ist, so war es doch kein Einzelfall.

Eine gravierende Verwandlung der GKV-Struktur ist im Gange. Mit der Einführung des Gesundheitsfonds sollten die finanziellen Probleme der Kassen geschmälert werden. Stattdessen haben sie diese teilweise noch verstärkt, denn die Ausschüttung aus dem Gesundheitsfonds basiert auf den durchschnittlichen Kosten aller Versicherungen.

Dadurch entsteht jedoch ein Ungleichgewicht, durch welches die Krankenkassen mit einer „jüngeren und gesünderen“ Versichertenstruktur bevorteilt werden und die Kassen mit einer schlechter aufgestellten Versichertenstruktur haben das Nachsehen. Die City-BKK hatte allein seit der Einführung des Gesundheitsfonds 50 Millionen Euro an Schulden angehäuft. Experten gehen daher davon aus, dass der Fall City-BKK kein Einzelfall bleiben und in dieser Form auch in Zukunft auftreten wird.

Konkurrenz steigt – Auswahl sinkt

Durch den Gesundheitsfonds ist die Konkurrenz zwischen den Kassen gesteigen, der Kampf um junge und gesunde Mitglieder wird größer und meist haben die kleineren Kassen das Nachsehen. Experten gehen davon aus, dass die Anzahl der gesetzlichen Versicherungen in Zukunft weiter abnehmen wird. Erst im August fusionierte die IKK-Classic mit der Vereinigten-IKK, die DAK verhandelt mit der BKK-Gesundheit und die Fusion zwischen den drei Kassen AOK Rheinland-Pfalz und Saarland mit der IKK-Südwest scheitert wohl nur wegen Uneinigkeit über das zukünftige Logo.

Für viele Kassen ist der letzte Ausweg der Zusatzbeitrag, mit welchem sie versuchen aus den roten Zahlen wieder herauszukommen. Doch viele Kunden verlassen die Kasse anschließend, zugunsten einer Kasse ohne Zusatzbeitrag. Dadurch wird die Situation aber nur verschlimmert und die Kassen stehen vor dem Aus oder einer Fusion. Eine Verteilung auf wenige große Versicherungen in näherer Zukunft ist daher wahrscheinlich.

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