GKV: Konjunktur macht Krankenkassen reich

Verfolgt man die aktuellen Medienberichte, entsteht der Eindruck, die Krankenkassen müssten sich kaputt sparen. Trotz milliardenschwerer Rücklagen im Gesundheitsfonds ist die City BKK pleite und musste die Vereinigte IKK mit der IKK Classic fusionieren. Das Bundesgesundheitsministerium scheint sich den schwarzen Peter aber nicht allein zuschieben lassen zu wollen. Laut BMG ist der Aufschwung nicht spurlos an den Krankenkassen vorbeigegangen, sie haben allein in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres einen Überschuss von 1,47 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Sinkende Kosten in vielen Bereichen

Ein Grund für die wachsenden Überschüsse in den gesetzlichen Kassen sind sinkende Ausgaben.

Insbesondere der Arzneimittelsektor hat sich in diesem Zusammenhang äußerst positiv entwickelt. Real haben die Ausgaben in diesem Bereich um rund 360 Millionen Euro abgenommen. Gegenüber dem Vergleichszeitraum entspricht die einem Abbau der Kosten von 4,8 Prozent. Zwar mussten die Kassen im 1. Quartal in anderen Bereichen, wie den ambulanten Behandlungen, Kostenzuwächse hinnehmen. Allerdings flachte die Kurve hier zunehmend ab.

Einen wesentlichen Anteil an den Überschüssen hat aber der wirtschaftliche Aufschwung. Den Angaben des BMG belaufen sich die Mehreinnahmen aufgrund der besseren Konjunktur für die ersten drei Monate des laufenden Jahres auf knapp 2,4 Milliarden Euro. Insgesamt scheint sich der Sektor der gesetzlichen Krankenversicherung also wesentlich positiver zu entwickeln, als es in den letzten Wochen den Anschein hatte. Aber trotzdem – die Überschüsse können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in der GKV kräftig rumort.

Deutliche Heterogenität am Markt

Gerade die Situation in einzelnen Kassen ist weiterhin das große Problem. Besonders deutlich lässt sich diese Entwicklung am Beispiel der Betriebskrankenkassen herausarbeiten. Obwohl insgesamt im Bereich der BKK 113 Millionen Euro an Überschüssen vorhanden sind, ist die City BKK die erste deutsche Pleitekasse. Gerade diese Heterogenität des Marktes führt zu Verwerfungen, die von Experten und Versicherten besonders deutlich wahrgenommen werden und am Ende die ganze Branche belasten.

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