GKV: Chaos um City BKK scheinbar beendet

Nach dem Krisentreffen der gesetzlichen Krankenkassen zum Umgang einiger Branchenvertreter mit den Versicherten der City BKK und den Drohungen aus der Politik scheinen die Versicherer der GKV einzulenken. Es sollen alle Mitglieder der maroden Krankenkasse aufgenommen werden – ohne weiteres Hin und Her. Trotz dieser – späten – Breitschaft bleibt der herbe Beigeschmack, zum ersten Mal Zeuge negativer Seiten des Wettbewerbs in der GKV geworden zu sein.

Faule Tricks, um Versicherte abzuwimmeln

Während die betroffenen Krankenkassen – speziell aus Hamburg und Berlin – sicher gern umgehend wieder zur Tagesordnung übergehen würden, werden die Tricks immer offensichtlicher.

Die Aussage: „Wir sind voll!“, ist nur die Spitze des Eisbergs. So berichtet zum Beispiel das „Hamburger Abendblatt“, einige Kassen hätten kurzerhand Filialen geschlossen, als renovierungsbedürftig deklariert oder gleich ganze Hotlines vom Netz genommen.

Die wohl dreisteste Masche: Versicherte erhielten nicht den Antragsbogen der eigenen Krankenkasse, sondern den der Konkurrenz. In ähnlicher Weise sei mit Telefonnummern verfahren worden. Dass viele Versicherte empört über dieses Verhalten von Körperschaften des öffentlichen Rechts sind, ist verständlich und nachvollziehbar. Aber auch die eigene Branche äußert harsche Kritik an den schwarzen Schafen aus den eigenen Reihen.

Heftige Kritik an GKV´s

Norbert Klusen, Chef der Techniker Krankenkasse, die tausende City-BKK-Mitglieder aufgenommen hat, bezeichnete das Verhalten seiner Kollegen als „stigmatisierend und schäbig“. Laut Klusen muss sich niemand wundern, wenn auf diese Weise das Image des gesamten Systems der gesetzlichen Krankenkassen einen schweren Schaden nimmt. Unterm Strich bleibt ein unangenehmer Beigeschmack.

Scheinbar haben sich im ersten Moment nach der City-BKK-Pleite auch gesetzliche Krankenkassen das Credo zu eigen gemacht, sich nur die besten und gesunden Versicherten zu sichern. Wer sich die Rosinen aus dem Kuchen pickt, muss sich schließlich nicht mit den Krümeln zufriedengeben. Einen positiven Nebeneffekt hat der Fall City BKK dann aber doch. Durch das Medienecho dürfte inzwischen jeder Versicherte wissen, dass er ein uneingeschränktes Recht zum Wechsel hat.

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