GKV auf den Spuren der PKV

Gesetzliche Krankenkassen bald auch mit Selbstbeteiligung und Beitragsrückerstattung?

Ginge es nach dem Willen des parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesgesundheitsministeriums Daniel Bahr (FDP), soll die gesetzliche Krankenkasse Elemente der privaten Krankenversicherung PKV übernehmen und ebenfalls mit einer Selbstbeteiligung und gar Beitragsrückerstattung bei Leistungsfreiheit aufwarten. Dies könne zu mehr Wettbewerb unter den gesetzlichen Kassen führen und helfen, die besonders begehrte Zielgruppe der gesunden Gutverdiener zu binden.

Modell Private Krankenversicherung soll GKV attraktiver machen

Die Private Krankenversicherung zahlt Beiträge an ihre Versicherten zurück, wenn diese keine Rechnungen einreichen. Je nach Dauer der Leistungsfreiheit von mindestens einem bis hin zu drei Jahren erstattet die PKV einen bis mehrere Monatsbeiträge zurück, die sogenannte PKV Beitragsrückerstattung. Zudem können Privatversicherte über die flexible Zusammenstellung der gewünschten Leistungen und einer möglichen Selbstbeteiligung die Höhe ihres Beitrags selbst beeinflussen. Diese Flexibilität soll sich nach Dafürhalten des FDP-Politikers Bahr auch die Gesetzliche Krankenkasse aneignen, um mehr Wettbewerb unter den Krankenkassen zu gewährleisten und die GKV für gesunde und gut verdienende Mitglieder interessanter zu machen.

Wechsel in die Private Krankenversicherung macht GKV zu schaffen

Nicht zuletzt wegen der erhobenen Zusatzbeiträge durch einige Krankenkassen nahm in der Vergangenheit der Wechsel in die Private Krankenversicherung zu. Dieser Trend wird sich aller Voraussicht nach verschärfen, wenn ab dem kommenden Jahr 2011 der allgemeine Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenkasse von aktuell 14,9 auf 15,5 Prozent steigt. Zusätzlich ist die Abschaffung oder Verkürzung der Wartezeit, der sogenannten PKV Drei-Jahres-Frist für das kommende Jahr geplant. Aktuell können Angestellte und Arbeitnehmer einen Wechsel von der GKV in die PKV nur dann vornehmen, wenn sie ein Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze von derzeit 49.950 Euro pro Jahr für die vergangenen drei Jahre in Folge vorweisen können.

Lohnt sich ein Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung?

Die Private Krankenversicherung lohnt sich in erster Linie für gesunde und gutverdienende Versicherte. Zum einen ist der Beitrag für vergleichbare Leistungen geringer als in der GKV und zum anderen erhalten Privatversicherte bis zu 6 Monatsbeiträge zurückerstattet, wenn keine Arzt- oder Medikamentenrechnungen eingereicht werden. Zusätzlich können über eine Selbstbeteiligung die Kosten der PKV weiter gesenkt werden. Dagegen kann die GKV mit einer kostenlosen Krankenversicherung der Kinder und des Ehegatten in der Familienversicherung aufwarten, während diese in der privaten Krankenkasse separat und kostenpflichtig zu versichern sind. Die etwaigen Kosten einer PKV lassen sich einfach und bequem mit einem kostenlosen PKV Rechner online berechnen. In Abhängigkeit von Eintrittsalter, Geschlecht, Höhe der Selbstbeteiligung und Wahl der Versicherungsleistungen können sich erheblich abweichende Beiträge ergeben.

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