GKV: 72 Euro Zuzahlung pro Kassenpatient

Im Jahr 2010 mussten Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Schnitt rund 72 Euro zuzahlen. Das wird aus einem Bericht deutlich, den der GKV-Spitzenverband nach einem längeren Hin und Her beim Bundesgesundheitsministerium vorgelegt hat.

Nach dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz sind die Kassen dazu verpflichtet, die Auswirkungen von Ausnahmeregelungen von der Zuzahlungspflicht zu untersuchen. Einen entsprechenden „Bericht des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen zur Evaluation der Ausnahmeregelungen von der Zuzahlungspflicht“ hatte das Bundesgesundheitsministerium nach Angaben der „Ärztezeitung“ bereits im Jahr 2008 zurückgewiesen, weil die aufbereiteten Daten der Kassen für unzureichend empfunden wurden. Nachdem das Ministerium die Kassen aufgefordert hatte, Langzeitdaten vorzulegen, wurden erst jetzt die Zahlen des GKV-Spitzenverbandes öffentlich.

Insgesamt weniger Zuzahlungen 2010

In dem Bericht der Kassen werden unter anderem die Höhe der jährlichen Zuzahlungen und die Anzahl der zuzahlungsbefreiten GKV-Mitglieder analysiert. Insgesamt kommt der GKV-Spitzenverband zu dem Schluss, dass das Zuzahlungsvolumen zwischen 2005 und 2010 als leicht rückläufig zu bewerten ist. Rund 72 Euro jährlich zahlten die gesetzlich Versicherten.

Etwa zwei Drittel davon waren Zuzahlungen für ärztliche Behandlungen und Arzneimittel. Insgesamt sank die Summe der von den GKV-Mitgliedern geleisteten Zuzahlungen im Berichtszeitraum von 5,44 auf 5,01 Milliarden Euro. Besonders deutlich gesunken sind die Zuzahlungen für Arzneimittel: Während die Versicherten 2005 noch 2,12 Milliarden Euro zuzahlen mussten, waren es 2010 nur noch 1,68 Milliarden Euro.

Jeder Zehnte ist „zuzahlungsbefreit“

Nach dem § 62 des fünften Sozialgesetzbuches müssen Versicherte einer gesetzlichen Krankenkasse in einem Kalenderjahr Zuzahlungen nur bis zu einer Belastungsgrenze leisten. Wird diese Grenze erreicht, muss der Versicherte im restlichen Jahr nicht mehr zuzahlen. Nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes registrierten die Kassen durchschnittlich 6,98 Millionen Versicherte pro Jahr, die nach dem Erreichen ihrer Belastungsgrenze von den Zuzahlungen befreit wurden.

Eingeschlossen in diese Zahl sind auch die GKV-Mitglieder unter 18 Jahren. Fast zehn Prozent der gesetzlich Krankenversicherten galten damit in den Jahren 2005 bis 2010 als „zuzahlungsbefreit“.

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