GKV: 45,6 Prozent der Krankenhausrechnungen falsch

In Deutschland rechnen Kliniken teilweise falsch ab. Zu diesem Schluss kommt der GKV-Spitzenverband. Nach Aussage des Verbandes sind Krankenhausabrechnungen in 45,6 Prozent falsch. Bei dieser Aussage stützt sich der Verband auf von den Medizinischen Diensten der Krankenkassen ermittelten Zahlen. Gleichzeitig beziffert der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen die Ausfälle durch falsche Krankhausrechnungen auf 1,5 Milliarden Euro.

2010 ist ein Rekordjahr

Insgesamt haben die Medizinischen Dienste der Kassen rund 11,6 Prozent der von Kliniken gestellten Rechnungen.

Verglichen mit anderen Jahren ist die Zahl fehlerhafter Rechnungen dabei deutlich gestiegen – von 43 Prozent im Jahr 2009 auf 45,6 Prozent im vergangenen Jahr 2010. Damit hat es offenbar im letzten Jahr deutlich mehr Fehler in der Abrechnung der Kliniken gegeben als noch im Vorjahr.

Wo liegen aber die Ursachen für diesen Trend? Eine Frage, die selbst Johann-Magnus von Stackelberg, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Verbands, nicht genau beantworten kann. Laut Stackelberg ist eine deutlich bessere Qualität der Prüfung durch die Medizinischen Dienste denkbar. Auf der anderen Seite kann es durchaus aber auch sein, dass sich in deutschen Krankenhäusern die Qualität im Rechnungswesen verschlechtert hat. Wie man das Blatt auch dreht und wendet – Experten fordern dringend bessere Regelungen, um gegen falsche Rechnungen aus Kliniken vorgehen zu können.

Schwarzer Peter wird hin und hergeschoben

Für die Vertreter der Krankenhäuser ist die Kritik allerdings nicht nachvollziehbar. „96 Prozent aller abgerechneten Fälle werden selbst nach intensiver Prüfung nicht beanstandet“, Georg Baum Hauptgeschäftsführer der der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Gleichzeitig hält es die DKG für unseriös, bei den 1,5 Milliarden Euro für die Krankenkassen von einer Falschabrechnung zu sprechen.

Dabei ist das Problem fehlerhafter Rechnungen aus Kliniken nicht neu. Im Gegenteil – bereits der Bundesrechnungshof kritisierte in der Vergangenheit falsche Abrechnungen. Was in den Augen einiger Experten zum Problem gehört, ist die Tatsache, dass die Kliniken in der Regel kaum Sanktionen fürchten müssen, sondern nur den strittigen Beitrag an die Krankenkassen zurückzahlen.

Weitere News:

Tops und Flops in der privaten Krankenversicherung

Aktuelle Zahlen zeigen, welche privaten Krankenversicherer in den letzten fünf Jahren die meisten neuen Mitglieder gewonnen haben. Rund die Hälfte der berücksichtigten 33 Anbieter ist gewachsen. Andere Anbieter verbuchen dagegen teils deutliche… mehr

Finanztest: Probleme mit der privaten Krankenversicherung vermeiden

In der aktuellen Ausgabe von Finanztest (08/2016) greift Stiftung Warentest das Thema Probleme mit der privaten Krankenversicherung auf. Denn nicht immer zahlen die Versicherer für jede Behandlung. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn diese nicht… mehr

Finanztest prüft PKV-Ergänzungstarife für Beamte

Beamte haben die Möglichkeit, mit Beihilfeergänzungstarifen ihren Versicherungsschutz aufzustocken. Denn trotz privater Krankenversicherung und Beihilfe bleiben sie manchmal auf Kosten sitzen, etwa wenn Zahnersatz oder eine neue Brille notwendig… mehr

Kosten für Physiotherapie: Ärger mit privater Krankenversicherung

In der Regel profitieren privat Versicherte von sehr guten Leistungen. Doch nicht immer ist im Vertrag eindeutig geregelt, für welche Behandlungen der Versicherer wie viel zahlt. Ein solcher Streitfall stellt beispielsweise die Kostenübernahme… mehr