Gesundheitswesen: Abrechnungsbetrug nimmt weiter zu

Im Jahr 2011 hat sich die Anzahl der Abrechnungsbetrüger im deutschen Gesundheitswesen mehr als verdoppelt. Das meldet die DAK-Gesundheit. Die Krankenkassen kostet der Betrug Millionen.

Deutlich mehr Hinweise auf gefälschte Rezepte, Schein-Behandlungen und manipulierte Rechnungen registrierte die DAK-Gesundheit im vergangenen Jahr. Aktuell geht ein zehnköpfiges Ermittlungsteam der Krankenkasse 1.800 Verdachtsfällen nach. Im Vergleich zum Jahr 2010 ist die Zahl der eingegangenen Hinweise um fast 60 Prozent gestiegen.

Mehr kriminelle Energie und bessere Fallverfolgung

„Steigende Fallzahlen sind sicherlich ein Indiz für die steigende kriminelle Energie bei den Leistungserbringern“, kommentiert der Leiter der DAK-Ermittlungsgruppe, Volker zur Heide, die Zunahme der Betrugsfälle. Aber auch verbesserte Methoden bei der Hinweisprüfung und Fallverfolgung seien die Ursache dafür, dass mehr Straftaten aufgedeckt würden. Dass es immer mehr Abrechnungsbetrug gibt, erklärt sich zur Heide wie folgt: „Da die Gelder im Gesundheitswesen zunehmend knapper werden, versuchen einzelne ’schwarze Schafe‘ offensichtlich, ihre Einkünfte durch die gezielte Manipulation von Abrechnungen zu sichern.“

Komplexere Betrugsfälle

Insbesondere gefälschte Rechnungen für Massagen, Krankengymnastik und Physiotherapie beschäftigen die Ermittler, doch auch in der Pflege und bei ärztlichen Behandlungen wird getrickst. Laut DAK-Gesundheit werden die Betrugsfälle zunehmend komplexer und die Fallbearbeitungen daher auch immer umfangreicher. Viele Leistungserbringer, die des Betrugs verdächtigt werden, schalten ihrerseits Rechtsanwälte ein, was das jeweilige Verfahren zusätzlich in die Länge zieht. Im Laufe der Ermittlungen melden immer mehr Leistungserbringer zudem Insolvenz an, so dass der Schaden für die Krankenkasse kaum noch reguliert werden kann.

Abschreckung durch Betrugsbekämpfung

Durch die Maßnahmen gegen das Fehlverhalten einiger Leistungserbringer konnte die DAK-Gesundheit Gelder in Höhe von 1,7 Millionen Euro zurückholen. Zusätzlich führen die Ermittlungen gegen den Abrechnungsbetrug von Leistungserbringern zu einer gewissen Abschreckung, sagt Ermittlungschef zur Heide. „Das ist ein nachhaltiger Erfolg der Fehlverhaltensbekämpfung, auch wenn dieser nicht in Euro gemessen werden kann.“ Das Ziel der Kasse ist es, die Hemmschwelle zur Manipulation langfristig zu erhöhen, um weniger Verluste einzufahren.

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