Gesundheitsreform 2011: PKV im Vorteil

Die Gesundheitsreform 2011 in Form des Gesetzesentwurfs des Bundesgesundheitsministers Philipp Rösler ist vom Bundeskabinett beschlossen und bringt einige wichtige Änderungen vor allem für Kassenpatienten mit sich. Gewinner der Gesundheitsreform 2011 ist ganz klar die Private Krankenversicherung ( PKV ), die vom vereinfachten Wechsel in die Private Krankenversicherung profitiert. Verlierer sind die gesetzlichen Krankenkassen und in erster Linie die verbleibenden Kassenpatienten, die mit der Erhöhung des Beitragssatzes ab Januar 2011 einen höheren Krankenkassenbeitrag stemmen müssen.

Krankenkassen Beitragssatz 2011

Der allgemeine Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung 2011 steigt von aktuell 14,9 in 2010 auf 15,5 Prozent. Davon entfallen 7,3 Prozent als Arbeitgeberanteil auf die Unternehmen und 8,2 Prozent als Arbeitnehmeranteil auf die Beschäftigten.
 Um Unternehmen zu entlasten soll der Arbeitgeberanteil auch bei kommenden Beitragserhöhungen nicht weiter steigen. Damit fällt jede weitere Teuerung in der Zukunft auf die Arbeitnehmer, also auf die Kassenpatienten. Kommende Beitragserhöhungen sollen in Form eines Zusatzbeitrags erhoben werden, und zwar einkommensunabhängig. Bedürftige im Sinne des Gesetzgebers erhalten einen Sozialausgleich in Form von Zuschüssen aus Steuermitteln. Die Deckelung des Arbeitgeberanteils und die Umwandlung zukünftiger Beitragserhöhungen in Zusatzbeiträge bedeutet eine Entlastung der Unternehmen und eine steigende Belastung der gesetzlich Krankenversicherten. Weiteres Ungemach droht sowohl der gesetzlichen Krankenkassen als auch den Kassenpatienten durch den vereinfachten Wechsel in die Private Krankenversicherung für einkommensstarke Beschäftigte im Rahmen der Gesundheitsreform 2011.

Abschaffung der Drei-Jahres-Frist

Der Wegfall der sogenannten PKV Drei-Jahres-Regel für Angestellte bedeutet eine Verkürzung der Wartezeit für die Private Krankenversicherung. Anders als in der Vergangenheit reicht nun der Nachweis eines Einkommens oberhalb der Versicherungspflichtgrenze für ein Kalenderjahr. Bislang musste der Einkommensnachweis für drei aufeinander folgende Jahre erbracht werden, ehe eine Befreiung von der Versicherungspflicht und damit ein Wechsel in die PKV erfolgen konnte.
Da die Privaten Krankenversicherung chronisch Kranke oder alte Patienten gar nicht oder nur mit einem Risikozuschlag aufnehmen, verbleiben "kostentreibende" Mitglieder in der GKV und "kostenarme" Patienten wechseln in die PKV. Die Folgen für die gesetzlichen Kassen und letzlich für die Kassenpatienten können fatal sein. Weitere Defizite und damit weiter steigende Kassenbeiträge bzw. Zusatzbeiträge. Damit steht die PKV ein eindeutiger Gewinner der Gesundheitsreform 2011 fest.

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