Gesundheitskosten steigen in Zukunft langsamer als erwartet

Der demografische Wandel, medizinsicher Fortschritt, steigende Medikamenten- und Behandlungskosten: Viele erwarten einen gravierenden Anstieg der Kosten im Gesundheitswesen in den kommenden Jahren. Forscher vom WidO halten dagegen. Besonders der demografische Wandel dürfte sich demnach weit weniger auf die Kostenschraube auswirken als bisher angenommen, wie aus dem Bericht „Gesundheit im Alter“ hervorgeht.

Altersdurchschnitt erhöht sich drastisch

An dem Bericht „Gesundheit im Alter“, welcher vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WidO) durchgeführt wurde, arbeiteten 42 Wissenschaftler aus verschiedenen Bereichen der Medizin.

Neben Experten für ambulante und stationäre Behandlungen waren auch Forscher aus den Bereichen der Medikamentenbranche, der Pflege, Prävention und Palliativmedizin an dem Bericht beteiligt.

Das eindeutige Fazit des Berichtes ist die Tatsache, dass es in Deutschland eine nicht ausreichende Verbreitung von geriatrischen Ausbildungen gibt. Geriatrie bedeutet soviel wie Altersmedizin oder Altersheilkunde und wird laut dem Bericht des WidO an nicht einmal 10 Prozent der Deutschen medizinischen Fakultäten gelehrt. Wie notwendig ein Ausbau von geriatrischen Behandlungsmöglichkeiten ist, zeigt der Ausblick auf das Jahr 2060 des Reports. Denn aktuell kommen auf 100 erwerbsfähige Personen zwischen 20 und 65 Jahren, 34 Rentner. Im Jahr 2060 wird sich dieser Wert verdoppeln, dann kommen auf 100 erwerbsfähige Personen etwa 70 Rentner. Laut WidO schneidet Bremen mit 63 zu 100 am besten, Brandenburg mit 78 zu 100 am schlechtesten ab.

WidO wiederspricht bisherigen Meinungen

Trotz dieser gravierenden Entwicklung gehen die Forscher des WidO davon aus, dass sich die Kosten nicht so explosionsartig nach oben entwickeln werden wie bisher angenommen. Es wird davon ausgegangen, dass sich die Kosten durch eine Überalterung der Gesellschaft um 20 Prozent nach oben bewegen werden.

Dies entspricht bis 2050 einem Anstieg von 0,4 Prozent pro Jahr, das Jahresmittel zwischen 2005 und 2009 lag jedoch bei 3,7 Prozent für die GKV. Problematischer wird die Entwicklung der Demenzerkrankungen angesehen. Denn bereits heute leiden etwa 1,4 Millionen an Demenz, Schätzungen gehen davon aus, dass es 2050 bereits 3 Millionen sein werden.

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