Gesundheit: Opposition warnt vor Pleite in der Pflege

Die Regierungsparteien haben am Wochenende beschlossen, die Abgaben zur Pflegeversicherung im kommenden Jahr um 0,1 Prozentpunkte anzuheben, die Opposition sieht die Maßnahmen als viel zu gering an. Die dadurch rund eine Milliarde Euro mehr in den Pflegekassen seien bei Weiten nicht genug, erklärte Professor Karl Lauterbach.  Die SPD geht davon aus, dass in den kommenden Monaten eine Pleitewelle in der Pflege auf uns zukommen wird.

Ein Tropfen auf den heißen Stein

Während die Regierungsparteien feiern und Gesundheitsminister Daniel Bahr von einem Durchbruch spricht, schüttelt die Opposition den Kopf und warnt vor Pleiten im Pflegesektor.

Für Bahr ist klar, auch mit einem kleinen Einkommen und geringen Beiträgen, können Personen die volle Fördersumme vom Staat erhalten und sich für einen eventuellen Pflegefall in der Zukunft absichern. Für ihn ist es ein Durchbruch und das angesparte Geld ist zugriffsicher, wodurch es jedem Versicherten zugutekommt.

Mit der Anhebung um 0,1 Prozentpunkte stehen den Pflegekassen im kommenden Jahr etwa eine Milliarde Euro mehr zu Verfügung. Viel zu wenig – findet der gesundheitliche Sprecher der SPD, Professor Karl Lauterbach, er nannte als notwendige Zahl sechs Milliarden Euro. Die Mehreinnahmen sollen der Behandlung von Demenzkranken zugutekommen. Aber um auch die restlichen Pflegebedürftigen ausreichend versorgen zu können, ist weit mehr notwendig.

Heime und Pflegestationen profitieren kaum

Aufgrund der angekündigten großen Reform haben, nach Meinung der Opposition, viele Heime in ihre Einrichtungen investiert, erhalten jetzt kein Geld und bleiben auf den Kosten sitzen. Dieser Umstand dürfte in naher Zukunft dazu führen, dass viele Einrichtungen schließen müssen und die Schwarzarbeit weiter zunehmen wird. Er sprach allein in Nordrhein-Westfalen von mehreren hundert Einrichtungen.

Der stellvertretende Geschäftsführer des Bundesverbandes Ambulanter Dienste und Stationärer Einrichtungen, Sebastian Froese, verurteilte die Aufstockung als viel zu gering. Für ihn gehen die Mehreinnahmen allein in den steigenden Personalkosten unter. Sie werden nicht einmal ausreichen, um den heutigen Qualitätsstandard zu erhalten und schon gar nicht, um ihn zu verbessern. Für Froese ist dies ein „harter Schlag für Pflegebedürftige, Angehörige und für das Pflegepersonal.“

Weitere News:

Tops und Flops in der privaten Krankenversicherung

Aktuelle Zahlen zeigen, welche privaten Krankenversicherer in den letzten fünf Jahren die meisten neuen Mitglieder gewonnen haben. Rund die Hälfte der berücksichtigten 33 Anbieter ist gewachsen. Andere Anbieter verbuchen dagegen teils deutliche… mehr

Finanztest: Probleme mit der privaten Krankenversicherung vermeiden

In der aktuellen Ausgabe von Finanztest (08/2016) greift Stiftung Warentest das Thema Probleme mit der privaten Krankenversicherung auf. Denn nicht immer zahlen die Versicherer für jede Behandlung. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn diese nicht… mehr

Finanztest prüft PKV-Ergänzungstarife für Beamte

Beamte haben die Möglichkeit, mit Beihilfeergänzungstarifen ihren Versicherungsschutz aufzustocken. Denn trotz privater Krankenversicherung und Beihilfe bleiben sie manchmal auf Kosten sitzen, etwa wenn Zahnersatz oder eine neue Brille notwendig… mehr

Kosten für Physiotherapie: Ärger mit privater Krankenversicherung

In der Regel profitieren privat Versicherte von sehr guten Leistungen. Doch nicht immer ist im Vertrag eindeutig geregelt, für welche Behandlungen der Versicherer wie viel zahlt. Ein solcher Streitfall stellt beispielsweise die Kostenübernahme… mehr