Gesundheit: Bahr fordert Strafen für zu lange Wartezeiten

Wieder einmal steht die Gesundheitsbranche im Zentrum des öffentlichen Interesses und der Politik. Ärztemangel auf dem Land, eine AOK-Umfrage, die ergibt, dass Ärzte zu geringe Leistungen für die Beiträge der Patienten erbringen, und jetzt droht Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr den Ärzten mit „Bußgeldern“, sollten sie den Patienten keine verhältnismäßig zeitnahen Termine anbieten.

Ergänzung des Versorgungsstrukturgesetzes

Um zukünftigen Schwierigkeiten aus dem Weg gehen zu können, soll das Versorgungsstrukturgesetz (GKV-VStG) erweitert werden, um für die Patienten eine „unbegründete und ungerechtfertigte“ Wartezeit zu vermeiden.

Mit der Erweiterung des Versorgungsstrukturgesetzes haben Patienten in Zukunft das Recht auf eine gut koordinierte und strukturierte Behandlung bei Fachärzten. Sollte diese Änderung in das Gesetz aufgenommen werden, soll gleichzeitig eine rechtliche Absicherung für eine Nachbehandlung eines Krankenhausaufenthaltes mit einfließen.

Die Ärzte sehen die Situation dagegen mit anderen Augen. So ist der Augsburger Pneumologe (Facharzt für Lungenerkrankungen) Andreas Hellmann der Ansicht, dass die Wartezeiten in Deutschland keineswegs zu lang sind. Einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen, ist in wenigen Ländern so schnell möglich wie in Deutschland, so Hellmann. Er kenne Patienten, die nur für den Besuch eines Facharztes aus England einfliegen, um nur eine Wartezeit von einem Monat abzuwarten und nicht ein halbes Jahr und länger.

Alternativtermin im Krankenhaus

Das Gesundheitsministerium will Patienten die Möglichkeit bieten, sich bei zu langen Wartezeiten zu einer ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus überweisen zu lassen. Finanziert werden soll diese Behandlung von der Kassenärztlichen Vereinigung, die dann weniger Geld für die Honorare der Ärzte zur Verfügung hat. Da die Reaktion der Ärzteverbände erwartungsgemäß negativ darüber ausgefallen ist, versucht das Gesundheitsministerium die Diskussion auf die Landesebene abzuwälzen und Krankenkassen sowie medizinischen Landesverbänden die Zuständigkeit aufzubürden.

Es sind mehrere Ursachen, die lange Wartezeiten hervorrufen, so der Präsident der Bayerischen Ärztekammer Max Kaplan. Ärztemangel und eine überalterte Gesellschaft, in Zusammenhang mit einer Zunahme an chronischen Krankheiten, führen zu langen Wartezeiten. Kaplan ist der Meinung, dass sich die Situation nicht mit Strafen lösen lässt.

Weitere News:

Tops und Flops in der privaten Krankenversicherung

Aktuelle Zahlen zeigen, welche privaten Krankenversicherer in den letzten fünf Jahren die meisten neuen Mitglieder gewonnen haben. Rund die Hälfte der berücksichtigten 33 Anbieter ist gewachsen. Andere Anbieter verbuchen dagegen teils deutliche… mehr

Finanztest: Probleme mit der privaten Krankenversicherung vermeiden

In der aktuellen Ausgabe von Finanztest (08/2016) greift Stiftung Warentest das Thema Probleme mit der privaten Krankenversicherung auf. Denn nicht immer zahlen die Versicherer für jede Behandlung. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn diese nicht… mehr

Finanztest prüft PKV-Ergänzungstarife für Beamte

Beamte haben die Möglichkeit, mit Beihilfeergänzungstarifen ihren Versicherungsschutz aufzustocken. Denn trotz privater Krankenversicherung und Beihilfe bleiben sie manchmal auf Kosten sitzen, etwa wenn Zahnersatz oder eine neue Brille notwendig… mehr

Kosten für Physiotherapie: Ärger mit privater Krankenversicherung

In der Regel profitieren privat Versicherte von sehr guten Leistungen. Doch nicht immer ist im Vertrag eindeutig geregelt, für welche Behandlungen der Versicherer wie viel zahlt. Ein solcher Streitfall stellt beispielsweise die Kostenübernahme… mehr