Gesetzliche Krankenversicherung: Befreiung von Zuzahlungspflicht beantragen

Die Stiftung Warentest informiert aktuell darüber, wie sich Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung von den Zuzahlungen für Medikamente und Co. befreien lassen können. Allerdings ist die Befreiung an bestimmte Grenzen gebunden. Gerade Gutverdiener können sich daher selten von der Pflicht befreien lassen.

Höhe der Zuzahlung abhängig vom Einkommen

Etwa jeder neunte Kassenpatient hat sich 2011 von der Zuzahlungspflicht befreien lassen. Das ist jedoch nicht ohne weiteres möglich. Erst wenn Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung eine gewisse Belastungsgrenze erreicht haben, können sie sich bei ihrer Krankenkasse von den Zuzahlungen für Medikamente und Co. befreien lassen. Diese Grenze ist dabei vom Familienbruttoeinkommen abhängig. Sobald gesetzlich Versicherte zwei Prozent dieses Einkommens im laufenden Jahr für Zuzahlungen ausgeben, ist die Grenze erreicht. Wer chronisch krank ist, hat die Belastungsgrenze schon bei einem Prozent des Bruttoeinkommens erreicht.

Für Personen, die etwa Hartz IV, Hilfe zum Lebensunterhalt oder Grundsicherungsleistungen beziehen, gilt eine andere Belastungsgrenze. Sie liegt bei 93,84 Euro, für chronisch Kranke bei 46,92 Euro (Stand 2014).

Zuzahlungen mit Belege nachweisen

Viele Krankenkassen bieten einen Zuzahlungsrechner an (etwa die ikk classic), mit dem Kassenpatienten ihre persönliche Zuzahlungsgrenze berechnen können. Wer beispielsweise als Alleinstehender 18.000 Euro brutto im Jahr verdient, muss zunächst 360 Euro aus eigener Tasche zahlen, ehe er die Zahlungsbefreiung bei der Kasse beantragen kann. Diese Ausgaben müssen anhand von Belegen nachgewiesen werden. Sollten Kassenpatienten bereits mehr Geld für die Zuzahlungen ausgeben haben, als sie eigentlich müssten, erhalten sie die Differenz zurückerstattet. Von der Befreiung profitieren vor allem chronisch Kranke, ältere Menschen und Geringverdiener. Da die Grenze vom Einkommen abhängig ist, kommt die Zuzahlungsbefreiung Gutverdienern hingegen selten zugute.

Was wird als Zuzahlung gewertet?

Zu den Zuzahlungen zählen unter anderem Ausgaben für Arzneimittel, Heil- und Hilfsmittel, Krankenhaus, Haushaltshilfen und häusliche Krankenpflege. Nicht berücksichtigt werden hingegen Kosten für individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), Eigenanteile an Zahnersatz und Medikamente, die nicht vom Arzt verordnet wurden.

 

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