Flächendeckender Zusatzbeitrag in wenigen Jahren?

Momentan können sich gesetzliche Krankenkassen ohne Zusatzbeitrag noch über wachsende Mitgliederzahlen freuen, während Versicherungen mit einem Zusatzbeitrag regelrechte Fluchten der Versicherten hinnehmen müssen. Der Gesundheitsexperte der CDU, Jens Spahn, geht davon aus, dass bereits in zwei Jahren ein flächendeckender Zusatzbeitrag in allen gesetzlichen Versicherungen notwendig sein wird.

Alle Kassen mit Zusatzbeitrag in zwei Jahren

Auf der 16. Handelsblatt-Jahrestagung „Health“ in Berlin prognostizierte der CDU Politiker und Gesundheitsexperte Jens Spahn, dass bereits in zwei Jahren – also Ende 2013 – alle gesetzlichen Krankenkassen einen Zusatzbeitrag erheben werden.

Momentan versuchen die Krankenkassen noch ohne einen Zusatzbeitrag auszukommen, um den Versicherten, die in einer Kasse mit Zusatzbeitrag versichert sind, bessere Konditionen bieten zu können und in die eigene Kasse zu locken.

Welche Auswirkungen die Erhebung eines Zusatzbeitrages haben kann, zeigen die Zahlen eindeutig. Allein aus der großen Krankenkasse DAK traten im vergangenen Jahr 460.000 Versicherte aus. Dies dürfte einer der Gründe gewesen sein, warum die DAK, mit Sitz in Hamburg, zum 1. Januar mit der BKK Axel Springer und BKK Gesundheit zur DAK Gesundheit fusioniert. Zum 1. April soll dann der Zusatzbeitrag wieder wegfallen. Dieses gegenseitige Abwerben von Versicherten wird laut Jens Spahn erst dann aufhören, wenn alle Kassen einen Zusatzbeitrag erheben werden.

AOK Vorstand widerspricht dem CDU Politiker

Der Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacobs, sieht die Entwicklung in der gesetzlichen Krankenversicherung mit anderen Augen und widersprach dem CDU-Politiker. Man kann davon ausgehen, dass im Jahr 2012 nicht mehr als 13 Krankenkassen einen Zusatzbeitrag erheben müssen, so Jacobs. Des Weiteren wird sich diese Zahl auch im Jahr 2013 nur marginal nach oben verändern.

Für Jacobs sind der verwaltungstechnische Aufwand und die hohen Risiken Grund genug für die Annahme, dass sich ein flächendeckender Zusatzbeitrag nicht durchsetzen wird. Auch ein Eingriff der Politik und ein eventuelles Abschaffen des Zusatzbeitrages ist nicht notwendig, wie Jacobs erklärte: „Das regelt der Markt schon selbst.“ Welchen Einfluss das zum 1. Januar 2012 in Kraft tretende Versorgungsstrukturgesetz einnehmen wird, bleibt abzuwarten.

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