Facharzt: Kassenpatienten warten bis zu 45 Tage länger

Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung müssen gerade beim Facharzt wesentlich länger warten als Privatversicherte. 2011 haben mehrere Studien diesen Sachverhalt bestätigt. Eine neue Umfrage der Grünen-Abgeordneten Bärbel Höhn in Nordrhein-Westfalen hat jetzt diesen Trend bestätigt. Bei den Testanrufen mussten die gesetzlich Versicherten in einigen Fällen bis zu 45 Tage auf einen Termin länger warten als Privatversicherte. Für die Politikerin eine unhaltbare Situation, aus Sicht der Ärzte ist die unterschiedliche Behandlung aber nachvollziehbar.

Längere Wartezeit von durchschnittlich 1 Monat

[Berlin] Allerdings müssen Kassenpatienten nicht überall so lange auf einen Arzttermin warten.

Die Umfrage bei 350 Fachärzten hat ein äußerst heterogenes Bild ergeben. In Bonn und Köln war die Wartezeit mit mehr als 40 Tagen relativ hoch. Am unteren Ende der Skala liegen dagegen Städte im Ruhrgebiet, hier lag die Wartezeit um mehr als die Hälfte niedriger. Spitzenreiter im positiven Maßstab war die Stadt Wuppertal. Hier hätten die Testanrufer gerade einmal 10 Tage länger als Privatpatienten auf einen Facharzttermin warten müssen.

Der Trend, den die Studie nahelegt, lässt sich auch durch andere Untersuchungen untermauern. So hat eine Studie im Auftrag der KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) dieses Jahr ergeben, dass viele Fachärzte sehr wohl bei der Terminvergabe unterscheiden, ob Patienten Mitglied einer privaten Krankenversicherung sind oder zur GKV gehören.

Unterschiede zwischen den Ärzten

Neben der Tatsache, dass Kassenpatienten im regionalen Maßstab unterschiedlich lange auf Termine beim Facharzt warten müssen, existieren auch Heterogenitäten zwischen den einzelnen Facharztrichtungen. Besonders lange müssen sich gesetzlich Versicherte zum Beispiel beim Kardiologen gedulden. Wie lässt sich die unterschiedliche Behandlung von Kassen- und Privatpatient aber begründen?

Der wohl größte Einflussfaktor auf die Art und Weise, wie lange die Patienten warten müssen, ist die GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte). Letztere findet nur im Bereich der privatmedizinischen Behandlung Anwendung und sichert den Ärzten höhere Honorare. Allerdings kann man Mediziner nicht einfach pauschal an den Pranger stellen. Oft ist es in den Praxen so, dass Privatpatienten einen erheblichen Teil der Finanzierung stellen und daher bevorzugt behandelt werden, um die Praxiskosten zu tragen.

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