Elektronische Gesundheitskarte: Skepsis bleibt

Was länge währt, wird gut. Oder doch nicht? Schon lange heißt es immer mal wieder, dass die elektronische Gesundheitskarte einsatzbereit sei und in den Startlöchern steht, doch immer wieder wurde der Starttermin verschoben. Jetzt hat die AOK Rheinland/Hamburg als einer der ersten Versicherer begonnen, die neuen Karten an seine Kunden zu versenden. Die einzige Neuerung ist bisher allerdings das Foto des Versicherten auf der Karte und die Tatsache, dass das Geschlecht aufgeführt wird.

Großes Potential bisher kaum umgesetzt

In der Theorie hat die Karte viel Potenzial.

In Zukunft sollen für Behandlungen wichtige Daten, wie die Blutgruppe, derzeit verschriebene Medikamente oder der Organspenderausweis in die Karte integriert werden. Das Potenzial der neuen Karte ist also riesig, der bisherige Stand der Entwicklung lässt dafür noch viel Raum nach oben. So erklärte Dieter Hillemacher, Regionaldirektor der AOK Rheinland: „Wir begrüßen die Einführung. Aber die Karte muss weiterentwickelt werden, sonst würde sie sich nicht rechnen.“

Skeptischer stehen der neuen Gesundheitskarte die Ärzte gegenüber. So müssen Ärzte neue Lesegeräte kaufen, da die alten Geräte die neue Karte nicht mehr lesen können. Lediglich bei Geräten, die erst kürzlich angeschafft wurden, ist es möglich, alte Kassenkarte und eGK (elektronische Gesundheitskarte) auszulesen. Dazu erklärte der Internist Uwe Brock: „Wenn ein Lesegerät nicht ganz so alt ist, dann geht das.“ Brock gehört zu den Ärzten, die sich kein neues Lesegerät anschaffen müssen, aber damit hören für ihn momentan die Vorteile der elektronischen Gesundheitskarte auch schon auf.

Kritikpunkt Datensicherheit

Brock geht aber noch weiter und attestiert der Karte: „Die Karte kann nicht mehr, kostet aber Milliarden“. Und was die weiteren Möglichkeiten der Karte angeht, so hofft Brock, dass diese nie in die Tat umgesetzt werden. Denn derart sensible Daten sollten immer in der Hand der Patienten verbleiben und nicht im Internet abgespeichert werden.

Dieser Kritik schließen sich viele Vertreter der Gesundheitsbrache an, z. B. Dorothea Stimpel, Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung. Sie ist der Meinung, das für den nötigen Aufwand, der betrieben werden müsste, um alle Praxen, Krankenhäuser oder Krankenkassen 100 Prozent sicher zu machen, schlicht das Geld fehle. Auch wird von ihr befürchtet, dass die Daten hauptsächlich der besseren Durchleuchtung der Patienten dienen.

 

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