Einkommensunabhängiger Zusatzbeitrag in der GKV beschlossen

Die Bundesregierung hat in der letzten Woche die Krankenkassenreform beschlossen. Diese sieht neben der Gründung eines Instituts zur Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen auch den bereits umstrittenen einkommensabhängigen Zusatzbeitrag vor. Letzterer kann zu mehr Konkurrenz unter den Krankenkassen führen.

Bundestag macht Zusatzbeitrag möglich

Letzten Donnerstag hat der Bundestag das sogenannte „Gesetz zur Weiterentwicklung der Finanzstruktur und der Qualität in der gesetzlichen Krankenversicherung“ verabschiedet. Dieses sieht die Senkung des Krankenkassenbeitrags um 0,9 Prozentpunkte auf insgesamt 14,6 Prozent des Einkommens vor. Arbeitnehmer und Arbeitgeber übernehmen zunächst zu gleichen Teilen – jeweils 7,3 Prozent – die neuen Beiträge für die Krankenkasse. Dies klingt nach einer fairen Regelung. Hinzu kommt jedoch, dass die gesetzlichen Krankenversicherer einen einkommensabhängigen Zusatzbeitrag erheben dürfen, den ausschließlich die Arbeitnehmer tragen müssen. Hierin liegt die neue Ungerechtigkeit, die allerdings nur Opposition und verschiedene Verbände als solche sehen.

Einkommensabhängiger Zusatzbeitrag solidarisch?

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bezeichnet die einkommensabhängige Erhebung eines Krankenkassenzusatzbeitrags sogar als einen „Schritt in Richtung Solidarität“. Denn der Zusatzbeitrag wird nun nicht mehr pauschal pro Kopf erhoben, sondern seine Höhe richtet sich nach den Einkünften der Versicherten. Nichtsdestotrotz können in Zukunft auf alle gesetzlich Krankenversicherten steigende Beiträge zukommen, denn die aktuelle Beitragssenkung um 0,9 Prozent werden sich die Krankenkassen vermutlich wieder zurückholen müssen. Die Tücken in der Gesundheitsreform liegen nun also an anderer Stelle.

Gröhe möchte mit GKV Zusatzbeitrag Wettbewerb stärken

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) möchte mit seinem neuen Gesetz die Konkurrenz unter den Versicherern ankurbeln. Diesem Wettbewerb werden zuerst finanzschwächere Krankenkassen zum Opfer fallen. Denn sie werden vermutlich die ersten sein, die einen Zusatzbeitrag einführen und Mitglieder verlieren. Versicherer, die trotz klammer Kassen zunächst darauf verzichten, könnten alternativ auch schnell ihre Leistungen kürzen. Diese Befürchtung äußert Adolf Bauer, der Präsident des Sozialverbands Deutschland, gegenüber der dpa. Versicherungsexperten gehen jedoch davon aus, dass ab 2016 fast alle gesetzlichen Krankenkassen einen Zusatzbeitrag verlangen und die Versicherungsnehmer zur Zahlung bitten werden.

GKV Versicherte müssen mit Mehrkosten rechnen

Auf gesetzlich Krankenversicherte kommen damit aller Voraussicht nach steigende Kosten zu. Auch die Kürzung von Leistungen halten Kenner der Branche für möglich. Aus diesem Grund könnte für die Versicherten eine Krankenzusatzversicherung attraktiver werden. Hier können sie die verschiedenen Angebote für die Krankenzusatzversicherung vergleichen.

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