Drohende Beitragserhöhung bei 18 privaten Krankenversicherern

Versicherte der privaten Krankenversicherung müssen demnächst mit einer Beitragserhöhung von mindestens sechs Prozent rechnen. Denn viele Versicherer haben Probleme, den sogenannten Rechnungszins zu erwirtschaften. Wird dieser gesenkt, steigen die PKV-Beiträge. Neben Versicherten der AXA und der Arag sind auch Kunden der Continentale betroffen.

Private Krankenversicherung durch Finanzkrise unter Druck

Grund für die drohende Beitragserhöhung für viele Versicherte der privaten Krankenversicherung ist das derzeit niedrige Zinsniveau. Dieses macht es den Versicherern schwer, den sogenannten Rechnungszins zu erwirtschaften. Dieser beeinflusst die Höhe der Altersrückstellungen, die Privatversicherte mit ihren Beiträgen aufbauen. Wird nun der Rechnungszins gesenkt, müssen diese Rückstellungen entsprechend angehoben werden. Das wirkt sich direkt auf die Beitragshöhe aus.

PKV-Beitragserhöhung von bis zu zehn Prozent befürchtet

18 private Krankenversicherer konnten bei einer Überprüfung der Bundesanstalt für Finanz- und Dienstleistungsaufsicht (BaFin) nicht ausreichend nachweisen, dass sie den Rechnungszins im übernächsten Jahr mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent erwirtschaften können. Infolgedessen müssen die Gesellschaften eigentlich den Zins von derzeit 3,5 Prozent senken. Für manche Neukunden ist die private Krankenversicherung in diesem Jahr schon teurer geworden, da einige Versicherer den Rechnungszins für das Neukundengeschäft auf 2,75 Prozent abgesenkt haben.

Steigende PKV-Beiträge erwartet

Für Bestandskunden, also für bereits privat Krankenversicherte, kann der Rechnungszins jedoch nur unter gewissen Bedingungen reduziert werden. Die Senkung ist nur möglich, wenn gleichzeitig höhere Beiträge aus anderen Gründen notwendig werden. Dazu zählen beispielsweise höhere Leistungsausgaben. Der Chef des PKV-Verbands, Uwe Laue, geht davon aus, dass die Beitragserhöhung allein aufgrund des neuen Rechnungszinses sechs bis acht Prozent beträgt. Andere, wie das Magazin Capital, rechnen mit bis zu zehn Prozent.

Wechsel der privaten Krankenversicherung?

Bis PKV-Versicherte über die Beitragserhöhung informiert werden, dauert es noch ein wenig. In der Regel informieren die Unternehmen ihre Kunden zum Ende des Jahres. Privatversicherte können sich zumindest schon einmal nach anderen PKV-Tarifen umschauen. Mitunter findet sich beim Versicherer ein Angebot, das ähnliche Leistungen zu günstigeren Konditionen anbietet. Generell lohnt sich ein Wechsel der privaten Krankenversicherung eher innerhalb der Gesellschaft. Wer zu einem anderen Anbieter geht, kann dabei seine aufgebauten Altersrückstellungen verlieren.

 

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