Doris Pfeiffer: PKV vor dem Aus und „auf Dauer nicht tragfähig“

20.03.2012, Berlin: Nachdem der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn mit seinem Vorschlag, die private Krankenversicherung zu reformieren, für Aufsehen gesorgt hat, ebbt die Diskussion um die Zukunft der PKV nicht ab. GKV Chefin Doris Pfeiffer nennt die Private Krankenversicherung sogar „auf Dauer nicht tragfähig“.

Mit Spahn wurde die Zweiteilung der Krankenversicherung in Deutschland und damit die Private Krankenversicherung erstmals vonseiten der Union infrage gestellt. In einem Interview gegenüber der „Welt“ hatte der CDU-Politiker das System von GKV und PKV in der letzten Woche für „nicht mehr zeitgemäß“ erklärt und eine Reform der privaten Krankenversicherung gefordert.

Sein Vorschlag, die PKV für alle Bürger zu öffnen, erzeugte Kritik aus den eigenen Reihen, erhielt aber große Zustimmung von anderen Seiten. Viele Gegner der PKV meldeten sich unmittelbar zu Wort und ließen kein gutes Haar an der privaten Krankenvollversicherung.

GKV-Spitzenverband sieht PKV am Ende

Neben Spahn äußerte sich die Chefin des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, in einem Interview mit der „Rheinischen Post“ zur aktuellen Lage der PKV. Sie pflichtete Spahn bei, der angemerkt hatte, dass die privaten Versicherer mit existenziellen Problemen zu kämpfen hätten. Pfeiffer nannte das Geschäftsmodell der PKV „auf Dauer nicht tragfähig“ und merkte an, dass auch die privaten Versicherer zum Teil bereits daran zweifeln würden, ob das Vollversicherungsgeschäft in der Zukunft noch rentabel für sie sei. Nach ihrer Einschätzung wird das Geschäft der PKV künftig von selbst auslaufen, da sich zunehmend mehr Unternehmen vom Krankenversicherungsmarkt zurückziehen würden.

Künftig Einheitsversicherung mit Krankenzusatzversicherung?

Viele Experten vermuten, dass sich in Deutschland in der Zukunft ein einheitliches Versicherungssystem durchsetzen wird. Mit dem Koalitionsvertrag im Jahre 2009 hatten Union und FDP zwar sowohl die Vollversicherung als auch die Zusatzversicherung der PKV als „ein konstitutives Element in einem freiheitlichen Gesundheitswesen“ vereinbart, doch in jüngerer Zeit werden die Forderungen nach einer Bürgerversicherung immer populärer. Ein einheitliches Versicherungssystem für alle Bürger könnte aus der Sicht vieler durch die private Zusatzversicherung ergänzt werden.

Die Befürworter der PKV befürchten jedoch zahlreiche Nachteile durch ein solches System. Unter anderem würde eine einheitliche Vollversicherung den Wettbewerb um Preis, Leistung und Qualität der Gesundheitsversorgung stark gefährden. Momentan können nur gutverdiende Arbeitnehmer, Beamte, Selbständige und Studenten in die PKV wechseln.

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