Das Schuldenloch der Krankenkassen

Die durch die Gesundheitsreform 2007 entstandene gesetzliche Versicherungspflicht ist oft nicht nur zum Vorteil der Versicherten. So ist die Höhe der Beitragsschulden bei den gesetzlichen Krankenkassen binnen eines Jahres nun um 55 Prozent auf rund 1,67 Milliarden Euro angestiegen.

Bereits im April dieses Jahres wurden die versteckten Folgen der gesetzlichen Versicherungspflicht offenbart. Die finanziellen Ausstände der Versicherten summieren sich seit dem Inkrafttreten der Reform 2009. Dieses Wachstum resultierte Ende des Jahres 2011 in Verlusten der Versicherer, die sich auf rund 1,2 Milliarden Euro nach Aussagen von “Spiegel Online“ beliefen. Im Januar dieses Jahres sind es bereits 1,44 Milliarden Euro gewesen.

Woher kommen die Ausstände?

Die im Jahr 2009 in Kraft getretene Reform verpflichtete jeden Bundesbürger, auch Personen, welche damals bereits der privaten Krankenversicherung zuzuordnen waren, zum Abschluss einer Krankheitskostenvollversicherung. Die gesetzliche Maßnahme resultierte aber offensichtlich nicht in einer Erhöhung der zahlungskräftigen Versicherten. Wer erst nach Beginn der Versicherungspflicht in das System zurückkehren wollte, musste sämtliche Beiträge bis zum entsprechenden Stichtag nachzahlen. Eine Zahlungsaufforderung, der nicht alle Säumigen nachkommen konnten.

Kostenberge und Schuldenschluchten

Diese Beitragsschulden häufen zusätzlich Zinsen und Säumniszuschläge an. Ihre Einforderung, angesichts der geringen Einkommen dieser Versicherten, ist kaum möglich. Gemäß der Berichterstattung des “Tagesspiegels“ am letzten Dienstag ist diese Negativsumme binnen eines Jahres nun um 55 Prozent gestiegen. Das entspricht einer Erhöhung der nicht gezahlten Beiträge im Juni auf 1,67 Milliarden Euro von 1,08 Milliarden im August 2011 (Januar 2012: 1,44 Milliarden). Als Beispiel wird dabei die BarmerGEK genannt, bei ihr hätten sich die Rückstände bereits auf 227 Millionen Euro summiert. Angesichts solcher Zahlen ist die Zurückhaltung der Kassen bezüglich der Auszahlung ihrer Reserven an die Versicherten verständlich.

Aus einem Plus wird ein Minus?

Die “Süddeutsche Zeitung“ berichtete noch im März über die angesammelten Rücklagen der Kassen. Das Ersparte der Kassen gibt man für Ende 2011 mit etwa zehn Milliarden Euro an. Diese Zahlen ließen die Öffentlichkeit über potenzielle Verwendungszwecke spekulieren. Offensichtlich wird aber, dass bei einer stetigen Vergrößerung der Beitragsschulden dieses Plus bald weit geringer ausfallen könnte.

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