Daniel Bahr wird neuer Vorstand bei Allianz Krankenversicherung

Der ehemalige Gesundheitsminister Daniel Bahr wird sich in den nächsten Tagen sicherlich viel Kritik anhören müssen. Denn wie jetzt bekannt wurde, ist das nächste Ziel in seiner Karriere die APKV – die private Krankenversicherung der Allianz. Die neue Personalie des Versicherers ist vor allem deshalb heikel, weil Bahr in seiner Zeit als FDP-Bundesgesundheitsminister vor allem im Sinne der privaten Krankenversicherer gearbeitet hat.

Neuer Job für Ex-Gesundheitsminister

Als im letzten Bundestagswahlkampf das Thema Bürgerversicherung angesprochen wurde, hat Daniel Bahr klar Stellung bezogen: Er lehnt die Bürgerversicherung und damit die Abschaffung der privaten Krankenversicherung in Deutschland ganz klar ab. Dabei hatte er sowohl seine eigene Partei als auch die damaligen Koalitionspartner CDU und CSU im Rücken. Nun wechselt der FDP-Politiker in genau die Branche, die er so vehement verteidigt hat. Wie die Allianz am gestrigen Montag bekanntgab, soll Bahr ab dem 1. November Generalbevollmächtigter bei der Krankenversicherungstochtergesellschaft werden. Später sei ein Aufrücken in den Vorstand der APKV vorgesehen, hierzu bedarf es aber noch der Zustimmung der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht).

Bahr: Keine Lobbyarbeit

Bahr selbst äußerte sich in der Süddeutschen Zeitung unbeeindruckt von möglicher Kritik. Er war nicht nur Gesundheitsminister, sondern zuvor in den Jahren 2005 bis 2009 auch gesundheitspolitischer Sprecher der Liberalen. Somit sei es „eher verwunderlich gewesen, wenn [er] jetzt für die Automobilindustrie arbeiten würde.“ Dort kenne er sich ja schließlich gar nicht aus. Im Gesundheitsbereich, also bei der Allianztochter könne er hingegen seine bisherige Erfahrung mit einbringen.

Was macht Bahr bei der Allianz?

Bei der Allianz wird Bahr im Bereich des Leistungsmanagements und der Vertriebskoordination tätig sein. Lobbyarbeit wird hingegen nicht zu seinen Aufgabenbereichen gehören, so Bahr. Der Ex-Gesundheitsminister ist nicht der erste Politiker der letzten Koalition, der aufgrund eines Wechsels in die Wirtschaft und etwaigen Interessenkonflikten in die Kritik gerät. Erst kürzlich wurden Überlegungen laut, eine verbindliche Karenzzeit von mindestens einem Jahr zwischen Ausscheiden aus einem Amt und Aufnahme einer Tätigkeit in einem verwandten Wirtschaftsbereich einzuführen. Noch gibt es eine solche Regelung aber nicht.

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