Burnout: Betriebliche Fehltage um 1.400 Prozent gestiegen

Das Ergebnis einer aktuellen Studie der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) ist mehr als besorgniserregend: Seit dem Jahr 2004 ist die Zahl der betrieblichen Fehltage um fast 1.400 Prozent gestiegen. Im Jahr 2011 waren 100 Versicherte rund 200 Tage wegen seelischer Leiden arbeitsunfähig.

Mehr Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen

Bei der Vorstellung der BPtK-Studie „Arbeitsunfähigkeit und psychische Erkrankungen 2012“ erklärte Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) in Berlin: „Die Menschen fühlen sich in ihrem Leben und bei ihrer Arbeit immer häufiger überfordert.“ Das belegen die Zahlen sehr deutlich. Fehlten 2004 100 Versicherte aufgrund von Burnout insgesamt lediglich 0,6 Tage am Arbeitsplatz, waren es im vergangenen Jahr bereits neun betriebliche Fehltage. 12,5 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage seien mittlerweile auf seelische Erkrankungen der Berufstätigen zurückzuführen.

Seelische Leiden werden zur Volkskrankheit

„Die psychosozialen Belastungen der modernen Gesellschaft werden erheblich unterschätzt. Seelisch überlastete Personen erhalten zu spät Beratung sowie Hilfe und psychisch Kranke zu spät eine Behandlung“, sagt BPtK-Präsident Richter. Betroffene schildern im Gespräch mit dem Arzt entweder Erschöpfung oder Stress. Solche Burnout-Symptome dürften nicht auf die leichte Schulter genommen, warnt er. Denn bei 85 Prozent der Krankschreibungen wegen Burnout würden die Ärzte zusätzlich eine psychische oder körperliche Erkrankung diagnostizieren.

Leistungsdruck in der modernen Arbeitswelt

Die Ursachen für psychische Erkrankungen und Burnout lägen häufig in der Arbeitswelt, erklärt Richter. Insbesondere Zeitdruck und zu geringe Kontrolle über die Abläufe am Arbeitsplatz seien Risikofaktoren. „Krankmachend ist, wenn gefährdete oder erkrankte Arbeitnehmer keinen Weg zur Veränderung finden.“ Nicht nur für die Arbeitnehmer, auch für die Unternehmen sind die Folgen von Stress und Erschöpfung schwerwiegend. Die Bundesregierung schätzt, dass der Wirtschaft pro Jahr Produktionsausfälle von 26 Milliarden Euro durch psychische Krankheiten entstehen. Denn gerade psychische Leiden führen zu besonders langen Fehlzeiten der Arbeitnehmer. Im Schnitt fehlten Betroffene 30 Tage am Arbeitsplatz, schätzt die BPtK.

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