Bundesärztekammer befürwortet Einsatz von Placebos

Wer als Patient ein Medikament verschrieben bekommt, erwartet eine entsprechende Wirkung. Vielleicht ist es genau diese Erwartungshaltung, die schon allein einen Teil der Wirkung ausmacht. Der Begriff dafür: Placebo. Einer aktuellen Studie der Bundesärztekammer zufolge verschreiben bereits heute mehr als 50 Prozent der Ärzte Placebos. Und wenn es nach der BÄK geht, könnte es noch mehr werden.

Heilung durch Placebo

Wie wirksam sind Placebos? Eine Frage, mit welcher sich die Medizin seit Jahren beschäftigt. In immer neuen Studien wird die Kraft der Gedanken untersucht. Mit teilweise überraschenden Ergebnissen.

So beeinflusst unsere Erwartungshaltung einer Untersuchung zufolge sogar die Wirkung starker Schmerzmittel. Wie eine Studie der Bundesärztekammer untermauert, scheinen viele Mediziner bereits heute an die Macht der Gedanken zu glauben. Unter dem Titel: „Placebo in der Medizin“ wurde unter anderem die Verbreitung der Placebos untersucht.

Robert Jütte verwies auf mehrere Untersuchungen, die belegen, dass unter den Ärzten die Wirkung der Placebos keineswegs so umstritten ist, wie es den Anschein hat. Laut Jütte kann davon ausgegangen werden, dass die Placebos in der Ärzteschaft bei mehr als der Hälfte „in der therapeutischen Praxis“ zum Einsatz kommen. Ist der Einsatz von Placebos Betrug am Patienten? Keineswegs, wie Untersuchungen nahelegen. Wirkstofflose Präparate können unter Umständen durchaus eine Wirksamkeit entfalten – ohne Nebenwirkungen und horrende Kosten zu verursachen.

Gesund ohne Medizin

Wie genau der Placeboeffekt entsteht, ist bislang noch immer unbekannt. Dass es ihn aber gibt, daran herrscht kein Zweifel. Erst kürzlich hat eine Studie in Hamburg-Eppendorf belegt, wie stark diese Form der Autosuggestion sein kann. Probanden, die im Glauben waren, kein Schmerzmittel erhalten zu haben, spürten Schmerzen – trotz des Opioids Remifentanil. Der Placeboeffekt kann also in beide Richtungen wirken. Und in der Therapie verschiedener Erkrankungen helfen.

Placebo kein Allgemeinrezept

Allerdings ist beim Umgang mit dem Placeboeffekt Vorsicht geboten. Nicht immer und überall ist es angebracht, wirkstofffreie Pillen zu verschrieben. Eine grundlegende ethische Differenz zwischen dem Beruf sowie Anspruch des Arztes und dem Verschreiben von Placebos gibt es laut Jütte nicht. Zumal sich mit deren Hilfe Nebenwirkungen ausschließen und hohe Behandlungskosten reduzieren lassen.

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