Bürgerversicherung: Wie teuer sind die Pläne der SPD?

[09.12.2011]Was erwartet die Verbraucher ab 2015, wenn die SPD wieder die Regierungspartei stellt und die Bürgerversicherung wirklich Einzug in das deutsche Gesundheitssystem hält? Auf dem Parteitag der SPD am Dienstag in Berlin zeigte sich die Partei geschlossen hinter dem Projekt und gab bekannt, dass sinkende Kosten für Geringverdiener und Mehrkosten für Gutverdiener (BBG 2012 bei 45.900 Euro würde wegfallen) mit der Bürgerversicherung Einzug halten würden.

Bürgerversicherung entlastet Geringverdiener

[Berlin] Unter der Leitung der Generalsekretärin Andrea Nahles und dem Gesundheitsexperten Karl Lauterbach entwickelte die SPD eine Alternative zum bisherigen Gesundheitssystem der Bundesrepublik Deutschland.

Besonders in der Gruppe der Geringverdiener dürfte das System großen Anklang finden, denn hier verspricht die SPD sinkende Beiträge und bessere Konditionen. Auch sollen in der Bürgerversicherung Zusatzbeiträge der Vergangenheit angehören, dafür erhalten die Krankenkassen ihre Selbstbestimmung bei den Beiträgen zurück.

Kritik kommt währenddessen aus der anderen Richtung, denn für den Sektor der privaten Krankenversicherer würde die Bürgerversicherung nahezu den Untergang bedeuten. Die private Krankenvollversicherung würde der Vergangenheit angehören und die PKV müsste sich ganz dem Bereich der Zusatzversicherungen widmen. Doch Experten gehen davon aus, dass selbst bei einer Entscheidung für die Bürgerversicherung eine Einführung frühestens 2015 stattfinden würde. Denn sowohl rechtliche Schwierigkeiten als auch die Wählerentscheidung stehen dem noch im Weg.

Mehrbelastungen für Arbeitgeber und Gutverdiener

Weitere Änderungen will die SPD in der Verteilung der Beitragsbelastung auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber vornehmen. Müssen derzeit die Arbeitnehmer 8,2 Prozent tragen, sind es für die Arbeitgeber nur 7,3 Prozent. In der Bürgerversicherung würde diese Differenz wieder angeglichen und die Gleichheit wieder hergestellt werden.

Des Weiteren sieht der Vorschlag der SPD vor, dass zukünftig für Besserverdienende der Beitrag für die Krankenversicherung nicht nur einkommensanteilig bis zur aktuellen Beitragsbemessungsgrenze – liegt ab 2012 bei 45.900 Euro – berechnet wird, sondern diese deutlich steigt. Alles in allem würden in der Bürgerversicherung die Gering- und Mittelverdiener entlastet werden, während Besserverdiener und Arbeitgeber, für deren Beitragsteil das gesamte Lohneinkommen angelegt wird, mit Mehrkosten rechnen müssen.

 

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