Bürgerversicherung: Mehrheit der Ärzte für Gesundheitsreform

Diskussionen um die Einführung einer sogenannten Bürgerversicherung gibt es schon länger. Besonders die SPD setzt sich für deren Umsetzung und damit für die Abschaffung der privaten Krankenversicherung (PKV) ein. Der neue MLP Gesundheitsreport 2012/13 zeigt nun, dass die Mehrheit der Ärzte eine Bürgerversicherung befürworten würde.

Ärzte und Patienten für Gesundheitsreform

Die Zufriedenheit der Deutschen mit ihrem Gesundheitssystem wächst. Dennoch wünschen sich fast die Hälfte der Patienten und fast drei Viertel der Ärzte weitere Reformen. Jedoch erwarten nur vier Prozent der befragten Mediziner, dass es zu grundlegenden Reformen nach der Bundestagswahl im September 2013 kommen wird. Dieses Ergebnis hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass weder die Bevölkerung noch die Ärzte einer Partei das vernünftigste Konzept für die Gesundheitspolitik zuschreiben. Das ergab eine aktuelle Umfrage des Finanzdienstleisters MLP, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Bürgerversicherung: 51 Prozent der Mediziner sind dafür

Trotzdem nur elf Prozent der Mediziner das Konzept der SPD als die beste Idee für eine Gesundheitsreform halten, würden 51 Prozent aller befragten Ärzte die Einführung einer Bürgerversicherung begrüßen. Der Vorschlag der Sozialdemokraten und der Grünen sieht vor, dass sich künftig alle Deutschen gesetzlich versichern müssen. Im Umkehrschluss bedeutet das die Abschaffung der PKV. Dies würde vor allem die Fachärzte treffen, für deren Erfolg der Praxis die Privatpatienten sehr wichtig sind. Laut dem MLP Gesundheitsreport 2012/13 geben 60 Prozent der Fachärzte an, dass ihre Praxis ohne die PKV-Mitglieder wirtschaftlich nicht überleben könnte. Bei den Hausärzten sind es 42 Prozent.

Bürgerversicherung versus private Krankenversicherung

Während CDU, CSU und FDP als Verteidiger der privaten Krankenversicherung gelten, würde die Wahrscheinlichkeit einer Gesundheitsreform mit dem Wahlsieg der SPD bei der kommenden Bundestagswahl steigen. Kommt die Bürgerversicherung, müsste sich dort künftig jeder Deutsche krankenversichern. Die Beiträge orientieren sich dann am Erwerbs- und Kapitaleinkommen. Kritiker der Bürgerversicherung befürchten, dass es zu einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung kommen könnte.

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