Brennpunkt: Krankenversicherung für viele Menschen zu teuer

Wie teuer darf eine Krankenversicherung sein? Diese Frage werden sich das Gesundheitswesen und die Politik wahrscheinlich in Zukunft öfter stellen müssen. Denn es gibt Personenkreise in Deutschland, die sich eine Krankenversicherung nicht leisten können – trotz allgemeiner Versicherungspflicht. Zu dieser Erkenntnis kommen die Betreiber des Hamburger Colgate Zahnmobil.

Patienten mit Migrationshintergrund

Seinen Ursprung hat das Hamburger Colgate Zahnmobil in einer Kooperation zwischen dem Hersteller für Zahnhygieneprodukte und der Caritas.

Das Ziel: Mit dem Zahnmobil wollen die Initiatoren seit 2008 in Hamburg den Bedürftigen helfen, die keine Krankenversicherung besitzen. Allerdings sind unter den Patienten, die im Hamburger Colgate Zahnmobil versorgt werden, nicht nur Obdachlose ohne Krankenversicherung. Das Zahnmobil behandelt auch Kinder, inzwischen mehr als 5.000.

Eine Erfahrung der Betreiber des Zahnmobils: Gerade Personen mit Migrationshintergrund bleiben im Alltag ohne den Schutz einer Krankenversicherung. Zwar lässt sich diese Aussage nicht uneingeschränkt verallgemeinern. Aber Notwendigkeit und Zweck einer Krankenversicherung scheinen viele Betroffene nicht wahrzunehmen. Dabei gilt seit 2009 sowohl für PKV und GKV eine allgemeine Versicherungspflicht.

Krankenversicherung zu teuer

Neben einem Mangel an Information, der unter anderem durch die sprachliche Barriere entsteht, spielt der Kostenfaktor eine Rolle. Die Feststellung der Hamburger wird übrigens durch eine Langzeitstudie aus Hannover teilweise gestützt. Hier wurde die „Zielgruppe“ genauer untersucht, die Anlaufstellen für Obdachlose frequentierten. Das Ergebnis: Die medizinische Versorgung in Deutschland spaltet sich zunehmend auf – in einen Bereich, der Menschen mit höheren Einkommen und einen Bereich, der Geringverdienern vorbehalten ist.

Das System der Krankenversicherung in Deutschland wird sich in Zukunft neuen Herausforderungen stellen müssen. Denn einigen Kreisen der Bevölkerung sind Zuzahlungen und Praxisgebühr schon jetzt zu teuer. Und was nützt eine Versicherungspflicht, wenn die Krankenversicherung schlicht zu teuer ist? An diesem Punkt muss die Politik eingreifen, um das Gesundheitswesen auf einen Stand zu bringen, der es erlaubt, alle Bevölkerungsschichten adäquat zu versorgen und zu verhindern, dass Gesundheit vom Einkommen abhängt.

Weitere News:

Tops und Flops in der privaten Krankenversicherung

Aktuelle Zahlen zeigen, welche privaten Krankenversicherer in den letzten fünf Jahren die meisten neuen Mitglieder gewonnen haben. Rund die Hälfte der berücksichtigten 33 Anbieter ist gewachsen. Andere Anbieter verbuchen dagegen teils deutliche… mehr

Finanztest: Probleme mit der privaten Krankenversicherung vermeiden

In der aktuellen Ausgabe von Finanztest (08/2016) greift Stiftung Warentest das Thema Probleme mit der privaten Krankenversicherung auf. Denn nicht immer zahlen die Versicherer für jede Behandlung. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn diese nicht… mehr

Finanztest prüft PKV-Ergänzungstarife für Beamte

Beamte haben die Möglichkeit, mit Beihilfeergänzungstarifen ihren Versicherungsschutz aufzustocken. Denn trotz privater Krankenversicherung und Beihilfe bleiben sie manchmal auf Kosten sitzen, etwa wenn Zahnersatz oder eine neue Brille notwendig… mehr

Kosten für Physiotherapie: Ärger mit privater Krankenversicherung

In der Regel profitieren privat Versicherte von sehr guten Leistungen. Doch nicht immer ist im Vertrag eindeutig geregelt, für welche Behandlungen der Versicherer wie viel zahlt. Ein solcher Streitfall stellt beispielsweise die Kostenübernahme… mehr