BKK für Heilberufe: Rettung kostet 90 Millionen Euro

Die BKK für Heilberufe steht kurz vor der endgültigen Schließung. Nachdem sowohl die AOK Rheinland/Hamburg als auch die BKK vor Ort ihre Angebote zurückgezogen haben, dürfte die Suche nach einem weiteren Fusionspartner kaum noch von Erfolg gekrönt sein. Einen großen Einfluss dürften dabei auch die sich verdreifachten Kosten zur Rettung der Krankenkasse haben.

Rettungskosten auf rund 90 Millionen gestiegen

Die ursprünglich veranschlagten Kosten für eine erfolgreiche Sanierung von etwa 28 Millionen Euro haben sich mittlerweile auf über das Dreifache – 90 Millionen Euro – erhöht.

  Besonders diese enorm in die Höhe geschossenen Kosten dürften einer Rettung der BKK für Heilberufe im Weg stehen. Das vom Bundesversicherungsamt (BVA) eingeleitete Anhörungsverfahren ist für den Bundesverbandschef der BKK’en Heinz Kaltenbach nur noch reine Formsache. Der Verlust von 320.000 Mitgliedern habe ein Loch hinterlassen, sodass ein eigenständiges Überleben der Kasse nichtmehr gewährleistet werden kann.

Bei einer Schließung der Krankenkasse müssen hauptsächlich die Interessen und die Gesundheit der verbliebenen 80.000 Versicherten im Vordergrund stehen. Ein erneutes Debakel wie bei der Schließung der City-BKK gilt es, auch im Interesse der gesetzlichen Krankenkassen, zu vermeiden. Bei der Schließung der City-BKK wurden zahlreiche Patienten, trotz gesetzlicher Regelung, von Krankenkassen abgewimmelt. Gesundheitsminister Bahr gab gegenüber der „Bild am Sonntag“ bekannt, dass sich die Situation nicht wiederholen wird und im Falle einer Ablehnung strenge Strafen ausgesprochen werden.

Kritische Stimmen aus der SPD

Auch wenn ein lücken- und reibungsloser Übergang im Interesse aller ist, so sind auch kritische Stimmen zu vernehmen. Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, sieht das Problem darin, dass unser Gesundheitssystem nicht darauf ausgelegt ist, Insolvenzen von Krankenkassen zu kompensieren. Eine Kassenpleite führt daher automatisch zu Problemen, die nur schwer zu verhindern sind.

Für Lauterbach gibt es eine mögliche Lösung, welche die Probleme zumindest auf ein Minimum reduzieren könnte. Wenn die Kassensuche über die BKK für Heilberufe abgewickelt wird, ist es den Kassen kaum möglich, Versicherte abzuweisen. Daher sollen alle Noch-Mitglieder der BKK für Heilberufe eine Liste bekommen, in der sie nur den neuen Versicherungsanbieter ankreuzen. Den Rest soll die BKK für Heilberufe übernehmen.

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