Bestechung durch Pharmaindustrie?

Die Pharmamittelhersteller versuchen unter anderem durch Werbung und positive Forschungsergebnisse ihre Medikamente zu verkaufen. Laut einem Bericht des Magazins „Spiegel“ sollen jetzt allerdings auch Bestechungen angewandt werden, um Ärzte dazu zu bewegen, die Medikamente eines bestimmten Unternehmens anzuwenden. Nach dem Dioxin-Skandal tut sich mit dem Verdacht der Bestechung auch in der Pharmabranche eine neue Baustelle für Verbraucher und Patienten auf.

Krebsmedikamente mit Bestechung?

In einem konkreten Fall geht es um das sächsische Pharmaunternehmen Oncosachs mit Sitz in Leipzig. Dieses Unternehmen stellt unter anderem eigene Medikamente her, die zur Krebsbehandlung eingesetzt werden können. Das Unternehmen konnte sich in den vergangenen Jahren auf dem Arzneimittelmarkt etablieren und sogar Kooperationen mit Krankenkassen schließen.

Nach den Aussagen eines Berliner Onkologen soll das Pharmaunternehmen Geld angeboten haben, wenn dieser Mediziner nur noch die Medikamente von Oncosachs einsetze. Der Arzt sollte nach eigenen Angaben pro Infusion mit dem Chemotherapeutika 50 Euro erhalten. Bei durchschnittlich zehn Patienten am Tag würde der Arzt so einen Erlös von etwa 90.000 Euro im Jahr erhalten.

INES ermittelt gegen sächsisches Pharmaunternehmen

Um die Gelder zu tarnen, sollten sie wohl als Studiengelder an den Mediziner fließen. Dieser jedoch meldete das unseriöse Angebot, weshalb ein Ermittlungsverfahren wegen erwerbsmäßigen Betrugs eingeleitet wurde. Die Ermittlungen übernimmt eine sächsische Sondereinheit, die den Namen INES trägt. Sie durchsuchte bereits die Räume des Pharmaunternehmens sowie beteiligter Apotheken.

Unternehmen dementiert Anschuldigung

Nach den Anschuldigungen befragt, weist der Firmenchef alle Anschuldigungen zurück. Derartige Angebote seines Unternehmens gäbe es nicht, alle finanzierten Studien seien seriös und helfen, die Medikamente zu verbessern. Er sieht in der Anschuldigung vielmehr den Versuch der Rufschädigung, denn Oncosachs arbeitet in Berlin als Vertragspartner der dortigen AOK und hat damit im Bereich der Krebsbehandlung einen Marktanteil von gut 85%. Interne Dokumente zeigen jedoch, dass der Verdacht der Bestechung nicht völlig unbegründet ist. Auch in diesen Dokumenten sind Summen von 50 Euro pro verabreichter Fusion zu finden. Die weiteren Ermittlungen, die sicher noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden, werden wohl Klarheit bringen.

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