Beitragssatz zur Krankenversicherung bald bei 24%?

Die Gesundheitsreform, die im Januar 2011 in Kraft getreten ist, stößt nicht bei allen Experten auf Zuspruch. Der Wirtschaftswissenschaftler der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität, Bernd Raffelhüschen, kritisiert die Gesundheitsreform, denn er sieht die gesetzlichen Änderungen nicht als Fortschritt, sondern eher als Stillstand. Dieser Stillstand wird seiner Ansicht zufolge in den kommenden Jahren für weiter steigende Versicherungsbeiträge bei der gesetzlichen Krankenversicherung führen, sogar Beiträge von bis zu 24% seien denkbar.

Gesetzliche Leistungen in Gefahr: Zwei-Klassen-Medizin droht

Neben der massiven Erhöhung des Krankenversicherungsbeitrags sieht Raffelhüschen auch die Gefahr, dass der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung weiter eingeschränkt wird, um den steigenden Kosten zu begegnen.

Dies wiederum bedeutet für Versicherte, dass Mehrleistungen privat finanziert werden müssten, so dass sich die bereits vielfach kritisierte Mehrklassenmedizin weiter durchsetzen wird.
Der Trend zur Zwei- oder Dreiklassenmedizin ist nach Ansicht von Raffelhüschen nicht kritisch zu bewerten. Schließlich gäbe es in vielen Bereichen unterschiedliche Bedürfnisse und Ansprüche, die durch die private Vorsorge ausgeglichen werden könnten. Gutverdiener könnten sich demnach durch Abschluss privater Krankenzusatzversicherungen eine bessere Versorgung leisten und so auch höhere Leistungen in Anspruch nehmen.

Private Krankenversicherung immer wichtiger

Da die gesetzliche Krankenversicherung somit nur noch die Grundversorgung übernimmt, nehmen die privaten Krankenversicherungen künftig einen immer größeren Stellenwert ein. Versicherte, die lange Wartezeiten bei Spezialisten, Zuzahlungen im Bereich der Medikamente und die Mehrbettunterbringung im Krankenhaus verhindern wollen, sollten Eigenvorsorge betreiben. Die privaten Kassen ermöglichen durch das Angebot an Zusatzversicherungen, dass jeder gesetzlich Versicherte nach seinen Ansprüchen entsprechende Verträge abschließen kann.

Trotz seiner Kritik an der Gesundheitsreform 2011 lobt Bernd Raffelhüschen den jetzt vereinfachten Wechsel in die private Krankenversicherung. Seit 2011 können gesetzlich Versicherte bereits beim einmaligen Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze zu einem privaten Anbieter wechseln und so den Einschnitten in der GKV entgehen.

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