Bahr: Kabinett will Krebsregister noch im August beschließen

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr will den Entwurf für das Krebsplan-Umsetzungsgesetz möglichst schnell realisieren: Bereits am 22. August soll die Einführung bundesweit einheitlicher Krebsregister im Bundeskabinett beschlossen werden. Dabei ist noch immer nicht klar, wie die Verzeichnisse finanziert werden.

Krebsregister sollen Behandlungsmethoden verbessern

Der Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums sieht unter anderem vor, dass jedes Bundesland einheitliche Krebsregister einführt, in denen die Daten von Tumorpatienten gesammelt werden sollen. Durch die Auswertung der gewonnenen Datensätze werden sich Erkenntnisse über neue Behandlungsmöglichkeiten erhofft. Als Beispiel, bei dem der Datenvergleich bereits das Leben von Krebspatienten verbessert hat, nannte Daniel Bahr gegenüber der Bild am Sonntag die Brustkrebsoperation bei Frauen. Bei diesem medizinischen Eingriff wurden früher auch die Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt, was oft zu starken Schmerzen führte. Der Datenvergleich hat gezeigt, dass diese Maßnahme nicht immer notwendig ist, sodass es vielen Betroffenen nach der OP nun besser ginge.

Starke finanzielle Belastung der GKV-Versicherten befürchtet

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bewertet viele Regelungen, die im Zuge des Krebsplan-Umsetzungsgesetzes vorgesehen sind, positiv. Jedoch wehrt sich der Verband gegen die geplante Finanzierung der Krebsregister. Deren Einrichtung soll durch die Länder finanziert werden, während die Betriebskosten von der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung zu tragen sind. Dabei sieht der Entwurf momentan vor, dass sich die GKV mit einer Pauschale von 94 Euro pro registrierten Fall beteiligen soll. Die Vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes Doris Pfeiffer argumentierte, dass versicherungsfremde Leistungen nicht nur allein von Beitragszahler finanziert werden dürfen.

Kritik: Krebspatienten werde durch Entwurf nicht geholfen

Der Vorstand des AOK-Bundesverbandes Uwe Deh kritisierte den gesamten Gesetzesentwurf scharf. Seiner Meinung nach würde sich für die Krebspatienten damit nichts verbessern. Zudem werde kein nationales Krebsregister gebildet, sondern der bestehende Flickenteppich von derzeit 46 Registern nur reduziert. Was fehlt, sei eine Stelle, die für transparente und aussagekräftige Daten sorgt. Trotz der bestehenden Kritik sagte Bahr der Bild am Sonntag, dass der Entwurf am 22. August beschlossen wird. Frühestens ab 2016 werden dann auch Patienten zu Krebsvorsorgeuntersuchungen von den Krankenkassen eingeladen. Dies ist eine weitere Maßnahme zur Krebsvorsorge, die im Krebsplan-Umsetzungsgesetz vorgesehen ist.

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