Avastin: Geld-zurück-Garantie löst heftige Kritik aus

Eine solche Idee dürfte im Gesundheitswesen bisher einmalig sein. Der Pharmakonzern Roche lockt Kliniken mit einer „Geld-zurück-Garantie“ für sein umstrittenes Krebsmedikament Avastin. Kern des Angebots ist das Versprechen, bei einer unwirksamen Anwendung dem Krankenhaus die Kosten zu erstatten. Kritiker und Gesundheitsexperten laufen gegen die Pay for Performance-Klausel Sturm und sprechen von einem „Skandal“, der vor allem die Taschen der Krankenhäuser füllen könnte.

Umstrittene Therapie mit Avastin

Das Medikament Avastin soll gegen mehrere Tumorvarianten helfen, ist allerdings alles andere als unumstritten.

So ist teilweise mit erheblichen Nebenwirkungen zu rechnen, die von Erbrechen über Schwächanfälle bis hin zu Magen-Darmblutungen reichen. Darüber hinaus steht Avastin Medienberichten zufolge im Verdacht, die Lebenserwartung betroffener Patienten nicht signifikant zu verlängern. In den USA steht scheinbar sogar die Zulassung des Medikaments auf dem Spiel.

Allein schon diese Fakten lassen die Geld-zurück-Garantie in einem besonderen Licht erscheinen. Betrachtet man dazu noch die Kosten in Höhe von rund 3.300 Euro, mehrt sich der negative Beigeschmack. Kliniken, die Avastin erfolglos bei Patienten anwenden, könnten auf Grundlage der Pay for Performance-Klausel erhebliche Summen einstreichen – ein verlockendes Angebot. Und genau deshalb wird Roche für die Pay for Performance-Klausel heftig kritisiert.

Experten fürchten wirkungslose Therapie

Denn Gesundheitsexperten fürchten, dass Krankenhäuser versucht sein können, lieber zu einem Medikament zu greifen, dessen Wirkung umstritten ist, welches aber aufgrund einer wirkungslosen Anwendung Geld in die Kassen spült. Echte Alternativen, die einen nachhaltigen Heilungseffekt versprechen, könnten dann – so die Befürchtung – auf der Strecke bleiben. Aber nicht nur dieser Zusammenhang treibt Kritiker auf die Barrikaden.

Auch die Krankenkassen stehen dem Pay for Performance-Angebot kritisch gegenüber. Andreas Heeke (AOK Nordwest) hält den Vorschlag bzw. das Einstreichen der Behandlungskosten für „gesetzeswidrig“, denn die Kliniken werden für die Behandlung von den Krankenkassen bezahlt und würden auf diese Weise doppelt verdienen. Diese Form der Rechtsunsicherheit ist Roche nicht verborgen geblieben. Der Pharmakonzern kontert in diesem Zusammenhang mit einem eigenen Rechtsgutachten.

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