Arzttermin: PKV-Versicherte kommen schneller dran

In deutschen Wartezimmern herrscht eine 2-Klassen-Gesellschaft. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine Studie des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen. Besonders gravierend sind die Unterschiede bei der längerfristigen Vergabe von Arztterminen. Hier bringt der Status Privatpatient fast eine Woche Unterschied. Aber auch im Wartezimmer lassen Ärzte im Schnitt GKV-Mitglieder länger auf einen Arzttermin warten als Privatversicherte. Einmal mehr ein Beleg für die Ungleichbehandlung von Versicherten in der PKV und GKV.

Deutliche Unterschiede in der Behandlung

Viele Versicherte aus den Reihen der GKV kennen diese Situation.

Obwohl man selbst bereits seit einer Stunde auf das Gespräch mit dem Arzt wartet, müssen sich andere Patienten weniger lange gedulden. Vielleicht handelt es sich dabei ja um Privatpatienten. Wie eine Untersuchung des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen ergeben hat, müssen Mitglieder einer PKV im Wartezimmer im Schnitt nur 21 Minuten warten, bevor sie zum Arzt können.

Wer dagegen zu den Kassenpatienten gehört, muss in deutschen Wartezimmern rund 27 Minuten warten, braucht also deutlich länger bis zum Gespräch mit dem Arzt. Für die Studie wurden ca. 6.000 Patienten befragt. Noch gravierender die Unterschiede bei der Wartezeit auf einen Arzttermin. Während der Privatversicherte hier etwa 14 Tage warten muss, sollte sich ein Mitglied der GKV schon 20 Tage, also knapp drei Wochen gedulden.

Keine Unterschiede bei Notfallbehandlung

Im Bereich der Notfallbehandlung macht die Medizin allerdings keinen Unterschied. Hier rückt die Art der Versicherung in den Hintergrund. Patienten, die mit ernsten Beschwerden doch keinen Zugang zu einem Arzt finden sollten, können sich auch an die Notfalleinrichtungen von Krankenhäusern wenden. Allerdings ersetzen diese keinen regulären Arztbesuch. Die Ergebnisse der aktuellen Studie werden übrigens von anderen Untersuchungen gestützt, die alle zu einem ähnlichen Ergebnis kommen.

Die höhere Lukrativität der Privatpatienten sorgt dafür, dass diese auch bevorzugt seitens der Ärzte behandelt werden. Eine Entwicklung, die zwar gerade von der Politik und den Vertretungen der Ärzte dementiert werden. Unter der Hand ist aber offensichtlich, dass im Wartezimmer jeder Patient aus den Reihen der PKV gewisse Vorzüge genießt.

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