Arztlotse: Zweites Arztbewertungsportal ist angelaufen

Bewertungsportale haben in viele Bereichen Hochkonjunktur. Mit dem „Arztnavi“, welches in Zusammenarbeit der AOK, der Barmer GEK und der Bertelsmann Stiftung entstand, startete vor rund 100 Tagen der erste Ableger für Ärzte. Der Verband der Ersatzkrankenkassen (vdek) zog jetzt nach und hat in der vergangenen Woche sein eigenes Bewertungsportal „Arztlotse“ vorgestellt. Kritik an dem neuen Portal kommt bereits von mehreren Seiten.

Durch fehlende Authentifizierung könnte Willkür entstehen

Das Bewertungsportal „Arztnavi“ hat eine Lösung gefunden, wodurch Beleidigungen und Schmähungen von Ärzten durch willkürliche Bewertungen von Patienten und Mehrfachanmeldungen ausgeschlossen werden sollen.

Eine Anmeldung ist nur über die Versichertenkarte möglich und es fehlt die Möglichkeit eines persönlichen Kommentares. Bei dem Portal „Arztlotse“ vom vdek wurde auf derartige Sicherheitsmerkmale verzichtet, jeder Verbraucher kann sich ohne genaue Verifizierung auf dem Portal anmelden und auch „unqualifizierte“ Kommentare abgeben. Diese Möglichkeit macht besonders den Ärzten Sorgen, diese fürchten um ihren Ruf in der Öffentlichkeit.

Der Vorsitzende des vdek, Thomas Ballast, wies die Kritik zurück und erklärte dazu, dass vor der Veröffentlichung jeder Kommentar durch Mitarbeiter geprüft werde, um Kommentare, die einen beleidigenden oder unangemessenen Ton haben, zu vermeiden. Auch muss jedem Nutzer klar sein, dass es sich um subjektive Meinungen handelt, argumentierte Ballast weiter.

Bundesärztekammer-Chef hält Portal für unausgereift.

Die Bundesärztekammer ließ über ihren Chef, Dr. Frank Ulrich Montgomery, Kritik an dem Portal laut werden. In einem Interview erklärte Montgomery, dass er das neue Portal für unausgereift halte. Auch sind durch eine fehlende Verifizierung die Möglichkeiten der mehrfachen Registrierung möglich, wodurch keine repräsentativen Meinungen aus dem Portal hervorgehen können.

Für die Ärzte ist das Portal des vdek daher alles andere als ein nützliches Instrument, um die Meinungsbildung der Patienten objektiv und qualitativ abzubilden. Eine Tatsache, welche vom vdek einiges an Nachbesserungen verlangen wird. Nicht ohne Grund bezeichnete die Bundesärztekammer das Portal als „avanti deletanti“.

 

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