Ärztemangel: Virchow-Bund gegen den Ankauf von Praxen

Mit dem Beschluss des Bundeskabinetts über das neue Versorgungsstrukturgesetz will die Politik den immer wieder offen zitierten Ärztemangel bekämpfen. Und obwohl einige Punkte des Gesetzes immer wieder als positiv hervorgehoben werden, reißt die Kritik nicht ab. Jetzt hat sich Dirk Heinrich, Vorsitzender des NAV Virchow-Bundes (Verband niedergelassener Ärzte) unter anderem gegen den Ankauf von Arztpraxen ausgesprochen.

Dirk Heinrich kritisiert Pläne

Gegenüber der Ärztezeitung äußerte Dirk Heinrich Zweifel in Bezug auf die Wirksamkeit der Pläne, Arztpraxen in den überversorgten Gebieten ankaufen zu lassen.

Damit lege man „den Grundstein für die Unterversorgung von morgen“, so der Verbandsvorsitzende weiter und untermauerte seine Aussage mit der Einschätzung, dass die Ballungszentren in Zukunft mehr und mehr zum Lebensmittelpunkt werden. Für Dirk Heinrich ist diese Form der modernen Urbanisierung der Grund, warum auch in den Ballungsräumen, die als überversorgt gelten, eine hohe Praxisdichte nötig zu sein scheint.

Allerdings weht den Ansichten des Verbandes Gegenwind entgegen. Denn einige Experten halten den Ankauf der Praxen für richtig bzw. machen sich gerade dafür stark. Dazu gehört unter anderem Andreas Köhler, Chef der KBV. Dieser hat sich für den Ankauf der Arztpraxen ausgesprochen. Aber auch die Politik scheint nach Mitteln zu suchen, mit denen Ärzte aus den Ballungszentren in unterversorgte Gebiete gedrängt werden können. Im Gespräch sind hierfür unter anderem Abschläge bei den Arzthonoraren.

Ärztemangel: Streitthema Nummer 1

Betrachtet man die Debatten der vergangenen Wochen, entsteht der Eindruck, dass der Ärztemangel das einzige Thema zu sein scheint, mit dem sich Politik, Krankenversicherer und die Ärztevertreter derzeit beschäftigen. Dabei warten gerade auf die Bundesregierung weitere Hausaufgabe, die dringend zu erledigen sind.

Denn gerade die aktuelle Krise der Finanzmärkte könnte fatale Auswirkungen haben. Bahnt sich hier eine neue Krise an, besteht die Gefahr, dass der Aufschwung und damit der Überschuss in der GKV sprichwörtlich baden geht. Nach der Sommerpause muss sich die Politik wahrscheinlich mit mehr beschäftigen als dem Versorgungsstrukturgesetz.

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