Arzneimittelreport 2012: In Deutschland sind Medikamente teuer

Die deutschen Ärzte haben im letzten Jahr teurere und größere Arzneimittelpackungen verschrieben als noch im Vorjahr. Zu diesem Ergebnis kommt der Arzneiverordnungs-Report 2012 (AVR). Zugleich haben die gesetzlichen Krankenkassen jedoch auch erstmals seit sieben Jahren weniger Geld für Arzneimittel ausgeben müssen. 

Arzneimittelreport im Herbst 2012

Der sogenannte Arzneiverordnungsreport (AVR) vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) erscheint einmal jährlich im Herbst und wertet die Rezepte aus, die jedes Jahr in Deutschland an Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ausgegeben werden. Ziel der Publikation, die bereits seit 1985 erscheint, ist nach Angaben des Instituts eine verbesserte Markt- und Kostentransparenz.

Hohe Preise für deutsche Medikamente

Laut dem aktuellen Bericht wurden jedem Kassenpatienten im Jahr 2011 durchschnittlich 9 Arzneimittelpackungen mit 520 definierten Tagesdosen verordnet. Die Nettokosten für die Medikamente der GKV-Versicherten beliefen sich dabei im Schnitt auf 378 Euro pro Person. Im Vergleich zum Vorjahr haben die deutschen Ärzte 2011 demnach teurere, aber auch größere Arzneimittelpackungen verschrieben. Obwohl die Zahl der Verordnungen nahezu konstant blieb, gingen die Arzneimittelausgaben der GKV 2011 erstmals seit 2004 zurück.

Krankenkassen sparen durch Rabattverträge

Der Rückgang sei insbesondere dem GKV-Änderungsgesetz zuzuschreiben, mit dem die Bundesregierung massiv auf die Arzneimittelpreise eingewirkt hat, berichtet Ulrich Schwabe, einer der Herausgeber des Arzneiverordnungs-Report 2012. Die schwarz-gelbe Koalition hatte die Abschläge für Arzneimittel von sechs auf 16 Prozent angehoben und zudem einen Preisstopp eingeführt. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) konnten die gesetzlichen Krankenkassen durch Rabattverträge 2011 über 1,6 Milliarden Euro einsparen.

Kritik an deutscher Gesundheitspolitik

Die Autoren des Arzneimittelreports kritisierten im Zuge der Veröffentlichung die Gesundheitspolitik in Deutschland. Unter anderem sei die einheitliche Zuzahlung für preisgünstige Generika kontraproduktiv. In dem diesjährigen AVR wird vorgeschlagen, die Apotheken – ähnlich wie in den Niederlanden – gesetzlich zur Abgabe des jeweils günstigsten Generikums zu verpflichten. Eine Zuzahlung für die Patienten könnte damit entfallen.

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