Arzneimittelausgaben erneut im Vergleich zum Vorjahr gestiegen

Im Juni 2012 sind die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Arzneimittel um 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die Rezeptausgabe stieg um 6,4 Prozent auf 37 Millionen. Rechnerisch ergibt sich für das erste Halbjahr 2012 eine Erhöhung von 3,4 Prozent auf 13,8 Mrd. Euro. Für das Gesamtjahr 2012 erwarten GKV und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) einen Anstieg von 2,4 Prozent.

Dahingegen waren im Jahr 2011 die Nettoausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung insgesamt um 2,8 Prozent gesunken. Das sind ungefähr 1,2 Milliarden Euro weniger als noch 2010. Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, äußerte sich gegenüber der Nachrichtenagentur “dapd“ besorgt. „Wenn das so weiter geht, werden sich die Mehrausgaben in diesem Jahr auf eine Milliarde Euro summieren. Wer heute über die Kosten spricht, sollte nicht das vergangene Jahr betonen, sondern in die Gegenwart“

Deutlich mehr als noch im Vorjahr

Hauptgrund für den beinahe konstanten Ausgabenrückgang im Jahr 2011 dürfte jedoch vor allem der zum 1. August 2010 auf 16 Prozent erhöhte Herstellerrabatt für verschreibungspflichtige Präparate ohne Festbetrag gewesen sein. Die im GKV-Änderungsgesetz fixierte Regelung galt dabei lediglich ein Jahr. In diesem Zeitraum war es das Ziel des Gesetzgebers, durch die höheren Rabatte, die Kosten der Krankenkassen bundesweit um über eine Milliarde Euro zu senken. Eine Senkung, die offensichtlich nicht von Dauer war.

Riskante Rabatte des Gesetzgebers

Solche Maßnahmen werden in der Kategorie „Strukturkomponente“ eingeordnet und vorwiegend durch die preisliche Auswirkung der Änderung von Rahmenbedingungen und Gesetzen beeinflusst. Die über Jahre konstante Ausgabenkurve bei Arzneimittel wurde 2011 also allenfalls gesetzlich kaschiert. Die Hauptgeschäftsführerin des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), Birgit Fischer äußerte sich gegenüber “Spiegel-Online“ kritisch zu solchen Preiseinwirkungen durch den Gesetzgeber. „Die Grenze, bis wann Arzneimittelpreise für die Hersteller noch wirtschaftlich sind, um an weiteren dringend benötigten Arzneimitteln zu forschen, ist erreicht.“

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