Arzneimittel: Neue Rabattverträge zwischen Kassen und Pharmaherstellern

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hat darauf hingewiesen, dass Millionen Patienten sich derzeit an neue Rabattarzneimittel gewöhnen müssen. Wer ein Rezept in der Apotheke einlöst, erhält nun möglicherweise ein anderes als das bisher bekannte Medikament.

Neuer Höchststand bei Rabattverträgen

Der Grund für diese Umstellung sind die neuen Arzneimittel-Rabattverträge zwischen mehreren großen Krankenkassen und den Pharmaherstellern. Die Zahl der geschlossenen Rabattverträge hat laut DAV einen neuen Höchststand erreicht. Waren es im Jahr 2009 noch 9.300 und im Jahr 2010 bereits 12.400 Verträge, lag das Rekordniveau 2011 nunmehr bei 16.400 Rabattverträgen.

Sparmaßnahmen der gesetzlichen Krankenkassen

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums konnten die gesetzlichen Krankenkassen im Vorjahr rund 1,6 Milliarden Euro durch die Rabattverträge einsparen. Gesetzliche Krankenkassen wie die Barmer GEK oder die Techniker Krankenkasse suchen Vertragspartner aus der Pharmaindustrie, die ihre Versicherten exklusiv mit Arzneimitteln versorgen. Dafür vereinbaren sie mit den Herstellern einen Rabatt und können somit Kosten für die Gesundheitsversorgung ihrer Mitglieder einsparen.

Umstellung problematisch

Aus Sicht des Apothekerverbandes führen die seit dem 01. Mai 2012 geltenden Rabattverträge zu Problemen für die Apotheken und die Patienten. „Eine unzweckmäßige Herstellerauswahl kann zu Lieferengpässen in der Apotheke führen oder Verwirrung bei den Patienten stiften“, sagt der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Fritz Becker. „Mein Appell an die Kassen lautet: Stellen Sie die Versorgungsqualität Ihrer Versicherten wieder stärker in das Zentrum Ihres Handelns, auch wenn es dabei ein paar Euro weniger Rabatt von der Industrie gibt.“

Mehr Beratung erforderlich

Der DAV weist darauf hin, dass der Beratungsaufwand für die Apotheken durch die Arzneimittel-Rabattverträge deutlich gestiegen ist. Die Apotheken setzen die Rabattverträge der Kassen bereits seit 2007 um, sie müssen die Patienten über die pharmazeutischen Aspekte der Umstellungen aufklären. „Diese Mehrleistung ist auf Dauer ohne eine Anpassung der Honorierung nicht tragbar“, meint Becker.

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