AOK Umfrage: Fachärzte bekommen zu viel Geld

Eine neue Studie des AOK-Bundesverbandes hat ergeben, dass bei Fachärzten nicht die notwendigen Leistungen geboten werden, um die Beiträge der Versicherten zu rechtfertigen. Die Studie hat gezeigt, dass rund vier Milliarden Euro gezahlt werden, denen aber keine Leistungen gegenüberstehen. Diese Ansicht vertritt zumindest Jürgen Graalmann, Verbandschef des AOK-Bundesverbandes, in einem Interview.

Ärzte arbeiten 12 Stunden pro Woche zu wenig

Bei der Umfrage der AOK sollte ermittelt werden, wie viel Stunden Arbeitszeit pro Woche auf die Behandlung von Kassenpatienten entfallen.

Das Ergebnis der Studie zeigt, dass Hausärzte mit 47 Stunden pro Woche deutlich vor den Fachärzten mit 39 Stunden pro Woche liegen. Berechnungen zufolge müsste anhand der Beiträge, welche die Ärzte von den Versicherten erhalten, jedoch eine Wochenarbeitszeit von 51 Stunden erreicht werden.

Für die Ärzte handelt es sich bei Graalmanns Äußerungen um eine bodenlose Frechheit und sie wiesen die Anschuldigungen als „Unverschämtheit“ zurück. Andreas Köhler, Chef der kassenärztlichen Bundesvereinigung, erklärte dazu: „Seit Jahren erbringen die rund 137 000 niedergelassenen Ärzte wesentlich mehr Leistungen, als sie bezahlt bekommen“, und die Ärzte pro Woche nur zu 20 Stunden Sprechzeit verpflichtet seien.

Zahlen sprechen eindeutige Sprache

Für Graalmann sprechen die Zahlen, welche die Studie hervor brachte, aber eine eindeutige Sprache. In den Jahren 2007 bis 2010 erhielten die Ärzte zusätzliche Honorare in Höhe von 4,6 Milliarden Euro. Zusätzliches Problem: Auch wenn die Zahl der Ärzte im selben Zeitraum um drei Prozent gesteigert werden konnte, kam es im Gegenzug zu keiner Senkung der Wartezeiten, die eher weiter anstiegen.

Ein weiterer besorgniserregender Faktor ist, dass auch die Wartezeiten für einen Facharzttermin immer länger werden, und immer mehr Kassenpatienten betrifft. Mussten 2006 noch 11 Prozent der Kassenpatienten auf einen Termin warten, so waren es 2010 bereits 20 Prozent. Ob in Zukunft mit einer Änderung zu rechnen ist, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass Graalmann am 1. Oktober die Nachfolge von Herbert Reichelt als AOK Chef antritt.

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