AOK-Studie: Medikamenten-Mix kann lebensgefährlich sein

Laut einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) birgt jede sechste Medikamentenverordnung das Risiko, dass es zu gefährlichen Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln kommt. Diese können für die Patienten unter Umständen sogar lebensbedrohlich sein.

Wechselwirkungen in 3 von 1.000 Fällen lebensgefährlich

Für die AOK-Studie, die der „Rheinischen Post“ vorliegt, wurden rund 65 Millionen verordnete Medikamente von 24 Millionen AOK-Versicherten ausgewertet. Das beunruhigende Ergebnis: In drei von 1.000 Fällen haben Ärzte eine Kombination von Pillen verschrieben, die das Leben des Patienten in Gefahr bringen könnte. In 3,5 Prozent der Fälle wurde ein Medikamenten-Mix verordnet, der zu schweren gesundheitlichen Problemen führen könnte. Besonders ältere Menschen mit mehreren Krankheiten seien davon betroffen.

Pflegeheim-Bewohner besonders gefährdet

Vor allem bei Pflegeheim-Bewohnern ist die Gefahr hoch, dass das Medikament unerwünscht mit einem anderen Mitteln zusammenwirkt, so das Ergebnis der Studie. Laut dem Chef der AOK Rheinland/Hamburg, Günter Wältermann, werden im Pflegeheim „teilweise Dosierungen und Kombinationen verordnet, die unter Körperverletzung fallen“. Laut der Studie führe die hohe Verschreibungsrate bei älteren Patienten zudem dazu, dass sich auch die Zahl der arzneimittelbedingten Krankenhauseinweisungen erhöht. Derzeit soll bei sieben Prozent aller Einweisungen das Medikament die Ursache sein.

Tödlicher Medikamenten-Mix

Als ein Beispiel nennt die AOK-Studie den Blutdrucksenker Aliskiren, der in 120.000 Fällen mit einen anderem Blutdruck senkenden Medikament verabreicht wurde. Für Patienten, die an Diabetes oder Niereninsuffizienz leiden, könnte dieser Mix tödliche Folgen haben. „Eines der verblüffenden Ergebnisse war, dass 80 Prozent der Fälle nur durch Verordnungen von einem Arzt geschehen sind“, stellt Studien-Autor Gisbert Selke fest.

Problem gefährlicher Arzneimittelkombination gemeinsam lösen

Wältermann erklärte in der „Rheinischen Post“, dass nur die Kassen und Ärzte gemeinsam „das Problem gefährlicher Arzneimittel-Kombinationen“ lösen können. Die AOK ist bestrebt, mit Medizinern, bei denen bedenkliche Verordnungen auffielen, das Gespräch zu suchen. Ärzte müssen sich immer wieder der Kritik stellen, ihre Patienten zu wenig nach deren verschreibungspflichtigen und rezeptfreien Medikamenten zu fragen.

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